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Meerschweinchenrassen

Zuchtformen der domestizierten Hausmeerschweinchen
Von der Wildform zum Hausmeerschweinchen mit Schönheitsideal


Farben
Genetik

Vorstellung der Meerschweinchenrassen

 

Auf dieser Seite stelle ich die verschiedenen Meerschweinchenrassen mit ihren typischen Merkmalen vor.
Da mir nicht zu jeder Rasse eigene Fotos vorliegen, sind einige der gezeigten Abbildungen mithilfe von KI-generierten Bildern erstellt. Das erkennt man zum Teil auch an Details, die nicht ganz perfekt wirken.

Die Bilder dienen ausschließlich zur Veranschaulichung der jeweiligen Rassemerkmale und sollen einen ersten Eindruck vermitteln. Sie ersetzen nicht den direkten Blick auf echte Tiere, den Sie bei einem Besuch meiner Zucht oder auf Ausstellungen bekommen können.

Rechtlicher Hinweis

Alle hier verwendeten Fotos und Abbildungen – egal ob Originalfoto oder KI-generiert – unterliegen dem Urheberrecht und dürfen ohne meine ausdrückliche schriftliche Zustimmung nicht heruntergeladen, kopiert, verändert oder kommerziell genutzt werden.
Die KI-Bilder sind rein informativ und nicht als authentische Tierfotos zu verstehen.

Angora

Langes seidiges Haar mit Wirbeln
noch nicht als eigenständige Rasse anerkannt
Entstand wahrscheinlich durch eine Verkreuzung von Peruaner und Rosettenmeerschweinchen,
eine Mutation in anderen Zusammenhängen ist aber auch möglich.
Es unterscheidet sich vom Peruanermeerschweinchen durch Anzahl und Sitz der Wirbel.

Gencode:

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Rasseporträt Angora

 

 

Glatthaar

Glatthaarmeerschweinchen

Wohl die bekannteste und häufigste Kurzhaarrasse und die Urform der Meerschweinchen
Kurzes, glattes am Körper anliegendes Fell, ca. 3 cm lang

Gencode:

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Rex

Krauses, ca. 2-3 cm langes, dichtes, drahtiges vom Körper abstehendes Fell.
Keine Deckhaare, die Tasthaare sind auch gekräuselt

Gencode:

LL rhrh MM SnSn stst rxrx FzFz ChCh lulu

Rosette

Kurze glatte Haare, mindestens 8, symmetrisch am Körper angeordnete Wirbel,
durch die die Haare abstehen. Die Wirbel sind an den Schenkeln, auf dem Rücken und an den Schultern.

Gencode:

LL RhRh mm SnSn stst RxRx lulu fzfz ChCh

 

American Crestet

Kurzes, glattes Fell und einen Schopf auf dem Kopf.
Bei American Crested ist dieser immer weiss.

Gencode:

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English Crestet

English Crested Meerschweinchen

Kurzes, glattes Fell und einen Schopf auf dem Kopf.
Bei EC ist die Krone immer in Fellfarbe

Gencode:

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Ridgeback

Ridgeback Meerschweinchen

Kurze glatte Haare, die Rückenhaare wachsen wie ein Kamm gegen den Strich.
Sie werden aus Rosetten und Glatthaarmeerschweinchen selektiv gezüchtet.

Gencode:

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US Teddy

US Teddy Meerschweinchen

Ähnlich wie Rex, aber die Haare sind feiner gewellt. Am Bauch eher glattere Haare.

Gencode: LL rhrh MM SnSn stst RxRx fzfz ChCh lulu

 

 

CH Teddy

Ch-Teddy Meerschweinchen

wie US Teddy, aber mit längerem Fell

 

Peruaner

Peruaner Meerschweinchen in weiß

Langes, glattes Fell, 2 Wirbel auf dem hinteren Rücken und 1 auf dem Kopf.

Typisch ist der Mittelscheitel auf dem Rücken, das Fell kann bis zu 50 cm! lang werden.

Gencode:

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Kurzhaarperuaner

Kurzhaarperuaner

Das Irish Crested/ Kurzhaarperuaner  hat zwei parallele Wirbel dem hinterem Teil des Rückens der wie beim Ridgeback die Haare in die entgegengesetzte Richtung wachsen lasst.
Durch die zwei Wirbel auf der Kuppe ist der Kamm jedoch größer und sollte einen schönen Iro zwischen den Ohren zeigen.

Gencode:

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Sheltie

Sheltie Meerschweinchen

Langes, glattes Fell ohne Wirbel

Gencode:

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Coronet

Coronet Meerschweinchen

Langes, glattes Fell ähnlich wie das Sheltie, aber mit einem Schopf auf dem Kopf.

Kreuzung aus Sheltie und Crested

Gencode

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Alpaka

Langes, gelocktes Fell, am Kopf kurze Locken. Mittelscheitel auf dem Rücken, 2 Rosetten an den Flanken.
Kreuzung aus Rex und Peruaner.

Gencode:

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Texel

Texel Meerschweinchen Schokoladenbraun
Langes, gelocktes Fell, jedoch ohne Scheitel und Rosetten.
Kreuzung aus Rex und Sheltie.


Gencode:

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Merino

Lange, dichte, gelockte Haare, keinerlei Wirbel, ausser einer Stirnrosette, die Haare fallen gleichmäßig.

Gencode:

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Mohair

Lockiges, kauses Fell und Wirbel wie Standardrosette

Gencode:

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Lunkarya

Lunkarya Meerschweinchen

Langes Fell mit festen, abstehenden Locken. Vererbung dominant.

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Curly

Curly Meerschweinchen

Das Curly und das Curly-Abyssinian sind eine neue Meerschweinchenrasse aus Schweden
Das Curly ist ein Lunkarya mit kürzerem Fell. Es besitzt wie das Lunkarya auch zwei Hüftwirbel, der Pony ist
aber nicht so stark ausgebildet, da das Haar auch kürzer ist.
Der Standard verlangt eine Haarlänge von 4-6 cm. Das Fell soll sich harsch anfühlen.

Gencode:

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Skinny und Baldwin

2 Meerschweinchen ohne Fell, Skinnys
Skinnys: Werden nackt geboren, haben aber eine Restbehaarung am Kopf und an den Füssen, selten am Rücken
  
Baldwins werden im Gegenteil zu den Skinny-Pigs mit Fell geboren, verlieren aber im Laufe ihres Heranwachsens ihr Fell vollständig, auch die Tasthaare.
In Deutschland sind zur Zeit haarlose Meerschweinchen weder als Rasse anerkannt, noch dürfen sie auf Ausstellungen gezeigt werden.
 
Diese Rasse gilt in einigen Vereinen als Qualzucht und wird nicht anerkannt.

Somali

Das Somali ist ein Rex mit vielen Rosetten. Es wird auch Caniche Meerschweinchen genannt.

Erbformel: LL rxrx Rhrh m

Cuys - die Riesenmeerschweinchen

Das Cuy sieht im Prinzip aus wie ein ganz normales Meerschweinchen.  Nur eben viel größer. Ein erwachsenes Cuy erreicht eine stattliche Körperlänge von 30-35 cm. Das Gewicht der Weibchen liegt zwischen 1,8 und 2,3 kg, Böcke erreichen 2-2,8 kg.

Weiterlesen
Bedeutung Genkürzel
LL/Llkurzhaarig
lllanghaarig
RhRh/RhrhWirbel/Rosetten
rhrhkeine Wirbel/Rosetten
SnSn/Snsnkein Satin
snsnSatin
Stst/ststStirnrosette/Krone
ststkeine Stirnrosette/Krone
RxRx/Rxrxkeine Rex Locken
rxrxRex Locken
FzFz/Fzfzkeine US Teddy Locken
fzfzUs Teddy Locken
ChCh/Chchkeine Ch Teddy Locken
chchCh Teddy Locken
LuLu/LuluLunkarya Locken
lulukeine Lunkarya Locken

Autorin: Eva-Maria Ganslmeier | letzte Änderung am 23.02.26 | alle Rechte vorbehalten

Meerschweinchen Baby

Trächtigkeit und Geburt bei Meerschweinchen

Von der Befruchtung bis zum ersten Quieken

Meerschweinchenzucht
Zuchtmethoden
Fachbegriffe
  1. Verpaarung
  2. Trächtigkeit
  3. Geburt
  4. mögliche Komplikationen
  5. Päppelbabys
  6. Entwicklung Jungtiere

Verpaarung bei Meerschweinchen: Zyklus, Anzeichen und Ablauf

 

Meerschweinchen sind grundsätzlich das ganze Jahr über fortpflanzungsfähig. In Mitteleuropa sollte man Geburten in der kalten Jahreszeit allerdings vermeiden – außer, Muttertier und Jungtiere leben zuverlässig in einer gut isolierten, dauerhaft frostfreien Unterbringung.

Wann ist ein Weibchen paarungsbereit?

Der Zyklus verläuft regelmäßig: Etwa alle 16 bis 18 Tage kommt es zur Brunst. Das fruchtbare Zeitfenster ist dabei kurz und umfasst ungefähr sechs Stunden. Eine sichtbare „Regelblutung“ wie beim Menschen gibt es nicht.

Typische Hinweise darauf, dass ein Weibchen gerade brünstig ist, sind:

  • ein ranghohes Tier aus der Gruppe (oft ein Kastrat oder ein dominantes Weibchen) zeigt deutlich mehr Interesse und brommselt verstärkt

  • das Weibchen selbst wirkt auffälliger: unruhig, brommselnd, manchmal auch drängelnd gegenüber den anderen

  • es kann klarer Schleim auftreten

  • die Vulva wirkt leicht geschwollen

  • die Scheidenmembran öffnet sich (sie reißt/öffnet sich in dieser Phase)

Wie läuft die Paarung ab?

In der Brunst zeigt der Bock typisches Balzverhalten. Er umkreist das Weibchen, purrt, brommselt und versucht durch ständiges „Dranbleiben“ die Aufnahmebereitschaft zu erreichen. Teilweise sind dabei auch deutlich sichtbare Bewegungen im Genitalbereich zu beobachten, was zur Balz gehört.

Ist das Weibchen aufnahmebereit, nimmt es eine typische Haltung ein: Die Hinterhand wird angehoben, die Hinterbeine werden nach hinten gestreckt und die Genitalregion gezielt angeboten.

Der eigentliche Deckakt ist sehr kurz (meist nur wenige Sekunden, häufig im Bereich von etwa 15 bis 30 Sekunden) und kann innerhalb einer Brunst mehrfach erfolgen, üblicherweise mit kurzen Pausen dazwischen.

Nach dem Deckakt kommt es häufig zu einem vorübergehenden Verschluss durch Sekret (umgangssprachlich oft als „Schleimpfropf“ beschrieben), der sich nach einigen Stunden wieder lösen kann.

Was passiert, wenn das Weibchen nicht will?

Außerhalb der Brunst kann ein Weibchen sehr deutlich „Nein“ sagen. Typisch ist Abwehrverhalten wie Ausweichen, Zähneklappern, Wegdrängen – und teils auch gezieltes Urinspritzen. Dabei können durchaus Distanzen von rund 30 bis 40 cm erreicht werden.

Nach der Befruchtung: erste Veränderungen

Nach einer erfolgreichen Befruchtung sind Veränderungen nicht sofort sichtbar. Häufig lässt sich nach etwa zwei Wochen ein kleines „Bäuchlein“ erahnen; das Gewicht steigt messbar an. Die Einnistung der befruchteten Eizellen erfolgt nicht unmittelbar nach der Befruchtung, sondern zeitversetzt – ungefähr sechs Tage später.

Kurzüberblick (zum Merken)

  • Zyklus: etwa 16–18 Tage

  • Fruchtbare Phase (Brunst): kurz, ungefähr 6 Stunden

  • Keine Periodenblutung

  • Öffnung der Scheidenmembran in der Brunst

  • Einnistung: etwa 6 Tage nach Befruchtung

  • Sekretverschluss nach dem Deckakt kann auftreten und löst sich nach einigen Stunden

Rechtlicher Hinweis

Diese Informationen dienen der allgemeinen Aufklärung über die Biologie von Meerschweinchen. Eine Verpaarung sollte niemals „nebenbei“ passieren: Wer Nachwuchs plant, trägt Verantwortung für Gesundheit, Haltung, Aufzucht und die spätere Vermittlung. In Deutschland ist für eine gewerbsmäßige Zucht nach dem Tierschutzgesetz eine behördliche Erlaubnis erforderlich. Auch bei Hobbyzucht sind Fachwissen, passende Haltungsbedingungen und die Vermeidung tierschutzwidriger Situationen entscheidend.

 

Trächtigkeit bei Meerschweinchen

Woran kann ich eine Trächtigkeit erkennen?

 

In den ersten Wochen ist es oft schwer, sicher zu sein. Viele Weibchen wirken zunächst einfach „runder“ im Bauchbereich – das kann auch wie eine harmlose Aufgasung aussehen.

Ab etwa der 4. bis 5. Trächtigkeitswoche lassen sich die Jungtiere bei sehr vorsichtigem Tasten teilweise schon erahnen.

Wichtig: Wenn überhaupt abtasten, dann nur extrem behutsam. Zu viel Druck kann Muttertier und Nachwuchs gefährden.

Wie lange sind Meerschweinchen trächtig?

Für ihre Größe haben Meerschweinchen eine ungewöhnlich lange Tragzeit. Üblich sind etwa 64 bis 72 Tage.

Typische Faustregeln aus der Praxis:

  • Bei Erstgebärenden gibt es häufig nur ein bis zwei Jungtiere, diese sind dann oft kräftiger (etwa 100–140 g).

  • Bei größeren Würfen ist die Tragzeit tendenziell etwas kürzer, die Jungtiere sind dafür meist leichter (etwa 50–70 g).

Worauf sollte man während der Trächtigkeit besonders achten?

 

Schonender Umgang


Trächtige Weibchen sollten möglichst nicht hochgehoben oder herumgetragen werden. Das reduziert das Risiko von Stürzen, Quetschungen und Stress.

Fütterung ohne „Radikalwechsel“
Eine plötzliche Umstellung des Futters ist ungünstig und kann Probleme begünstigen. Besser ist eine stabile, hochwertige Versorgung. Etwas zusätzliche Energie kann sinnvoll sein, zum Beispiel über kleine Mengen Haferflocken oder ein ausgewogenes Pelletfutter. Eine vitaminreiche, abwechslungsreiche Grundversorgung bleibt dabei die Basis.

Gewicht im Blick behalten
Regelmäßiges Wiegen hilft, Veränderungen früh zu erkennen.

  • zu Beginn: einmal pro Woche

  • in den letzten drei Wochen: alle zwei Tage
    So können Auffälligkeiten, die auf eine Trächtigkeitstoxikose hindeuten könnten, eher bemerkt werden.

Stress konsequent vermeiden
Unruhe, häufiges Umsetzen, ständige Gruppenumstellungen oder dauernde Störungen wirken sich negativ aus. Eine ruhige Umgebung und feste Abläufe sind in dieser Phase besonders wichtig.

Studienhinweis: Stress wirkt bis in die nächste Generation

Eine Untersuchung der Universität Münster zeigte, dass sozialer Stress während der Trächtigkeit das spätere Verhalten der Jungtiere beeinflussen kann. Weibliche Nachkommen von Muttertieren, die unter instabilen sozialen Bedingungen standen, zeigten später ein deutlich stärker „männlich geprägtes“ Verhaltensmuster.

Quelle:
Sachser, N. & Kaiser, S. (1996). Prenatal Social Stress Masculinizes the Females' Behaviour in Guinea Pigs. Physiology & Behavior, 60(2), 589–594. DOI: 10.1016/S0031-9384(96)80036-9

Rechtlicher Hinweis zur Studie
Die Studie wird hier ausschließlich informativ wiedergegeben und korrekt zitiert. Verlinkt wird auf die offizielle DOI-Seite des Verlags, damit die Quellenangabe nachvollziehbar ist.

Allgemeiner Hinweis
Die Informationen auf dieser Seite dienen der allgemeinen Orientierung und ersetzen keine tierärztliche Diagnose oder Behandlung. Bei Unsicherheiten oder gesundheitlichen Auffälligkeiten sollte immer eine Tierärztin oder ein Tierarzt hinzugezogen werden.

Die Geburt: wenn Meerschweinchen Nachwuchs bekommen

Muss das Weibchen kurz vor der Geburt aus der Gruppe genommen werden?

 

In den meisten Fällen ist das nicht nötig. Ein Umsetzen kurz vor der Geburt bedeutet häufig vor allem eines: Stress. Trächtige Weibchen sind in ihrer vertrauten Gruppe meist am ruhigsten, weil Umgebung, Gerüche und Rangordnung bekannt sind.

Wenn mehrere Weibchen in einer Gruppe leben, kommt es außerdem oft vor, dass andere Tiere sich an der Betreuung beteiligen oder einfach „mit aufpassen“. Für die Jungtiere entsteht dadurch normalerweise keine zusätzliche Gefahr. Viele Geburten verlaufen auch in größeren Gruppen völlig unauffällig.

Wichtig ist nur ein Punkt, der wirklich konsequent beachtet werden muss: Das Weibchen darf zu diesem Zeitpunkt nicht mehr mit einem unkastrierten Bock zusammen sitzen. Meerschweinchen können sehr kurz nach der Geburt wieder empfängnisbereit sein, sodass es schnell zu einer erneuten Deckung kommen kann.

Kann man bei der Geburt helfen?

Meistens ist das Beste, was man tun kann, nicht zu stören. Die Geburtsphase beginnt oft relativ plötzlich, und der eigentliche Ablauf ist bei vielen Weibchen zügig beendet. In der Regel dauert eine Geburt nicht lange und das Weibchen kommt alleine gut zurecht.

Ein Eingreifen durch den Menschen ist normalerweise weder nötig noch hilfreich. Ruhe, eine sichere Umgebung und ein wachsames Beobachten aus der Distanz sind sinnvoller.

Wenn die Geburt jedoch ungewöhnlich lange dauert oder das Weibchen deutlich leidet, wirkt sehr erschöpft, presst lange ohne Ergebnis oder macht insgesamt einen alarmierenden Eindruck, sollte sofort tierärztliche Hilfe organisiert werden. Viele Praxen bieten dafür einen Notdienst oder eine Notfall-Nummer an.

In Gruppen lässt sich manchmal beobachten, dass ein anderes Weibchen währenddessen in der Nähe bleibt und „Wache hält“. Ob das wirklich ein bewusstes Schutzverhalten ist oder einfach Gruppennähe, ist unterschiedlich – auffällig ist es aber häufig.

Die Jungtiere (Welpen)

Meerschweinchenbabys sind bei der Geburt schon erstaunlich „fertig“. Sie sind von Anfang an beweglich, reagieren schnell auf Reize und orientieren sich zügig an der Mutter.

Geburtsgewicht
Als grobe Orientierung gelten etwa 50 g als Untergrenze. Sehr leichte Jungtiere brauchen häufiger zusätzliche Unterstützung. Im Zweifel sollte man hier frühzeitig eine Tierärztin oder einen Tierarzt einbeziehen.

Zähne
Die Zahnentwicklung ist bei Meerschweinchen besonders: Milchzähne werden bereits während der Trächtigkeit angelegt und später wieder zurückgebildet. Bei der Geburt sind die bleibenden Zähne schon vorhanden und funktionstüchtig, weshalb die Jungtiere sehr früh auch feste Nahrung aufnehmen können.

Fressen und Säugen
Welpen probieren oft schon nach kurzer Zeit Heu und anderes Futter, werden aber trotzdem noch rund drei Wochen gesäugt. Das Abstillen erfolgt anschließend schrittweise. Da Meerschweinchen nur zwei Zitzen haben, kann eine Gruppenhaltung mit mehreren Müttern die Versorgung erleichtern, weil Jungtiere gelegentlich auch von anderen Weibchen mit versorgt werden.

Geschlecht bestimmen

In den ersten Tagen ist die Geschlechtsbestimmung nicht immer eindeutig, und Fehler passieren selbst Menschen mit viel Erfahrung. Ab etwa der dritten Lebenswoche lässt es sich in der Regel deutlich sicherer beurteilen.

Weibchen
Die Öffnung wirkt eher Y-förmig.

Männchen
Mit sehr sanftem Druck kann der Penis sichtbar werden.

Welche Rolle spielt der Vater?

Ein Bock kann bei der Geburt in vielen Fällen ruhig anwesend sein und verhält sich gegenüber den Jungtieren häufig unauffällig oder sogar freundlich. Der entscheidende Punkt ist dennoch die erneute Empfängnisbereitschaft der Mutter kurz nach der Geburt. Um eine sofortige Folgeträchtigkeit zu verhindern, muss ein unkastrierter Bock rechtzeitig getrennt werden.

Eine erneute Trächtigkeit direkt im Anschluss ist für das Weibchen eine enorme Belastung und kann die Gesundheit langfristig beeinträchtigen. Deshalb gehört die Planung der Trennung bzw. Kastration unbedingt vor die Geburt, nicht erst danach.

Damit der Bock nicht alleine sitzt, braucht er weiterhin Sozialkontakt. Wenn keine weitere Zucht geplant ist, ist eine rechtzeitige Kastration eine sinnvolle Option. Alternativ kann er – je nach Situation – mit einem passenden Jungbock oder einem Frühkastraten vergesellschaftet werden.

Hinweis
Alle Angaben sind sorgfältig zusammengestellt und ersetzen keine tierärztliche Diagnose oder Behandlung. Bei Komplikationen, Unsicherheiten oder auffälligem Verhalten von Muttertier oder Jungtieren sollte immer tierärztlicher Rat eingeholt werden.

Komplikationen rund um die Geburt bei Meerschweinchen

Die Symphyse: warum das Becken „nachgibt“

 

Auch Meerschweinchenweibchen besitzen eine Symphyse. Das ist eine knorpelige Verbindung zwischen den beiden Beckenhälften (im Bereich von Scham- und Sitzbein). Während der Trächtigkeit sorgt der hormonelle Einfluss, vor allem über Östrogene, dafür, dass dieses Gewebe weicher und elastischer wird. Nur so kann sich der Geburtsweg ausreichend erweitern.

Im letzten Drittel der Trächtigkeit beginnt die Symphyse sich zu lockern. Kurz vor der Geburt nimmt die Öffnung deutlich zu und kann einige Tage vorher bei manchen Tieren tastbar sein. Als grober Richtwert werden etwa 1,5 bis 2 cm genannt, häufig rund fünf Tage vor dem Geburtstermin. Das kann ein Hinweis auf die Nähe der Geburt sein, ist aber keine Garantie für einen problemlosen Ablauf.

Warum das Alter eine Rolle spielt
Ein erster Wurf sollte nicht zu spät erfolgen. Bleibt eine Trächtigkeit lange aus, fehlt die wiederholte hormonelle „Vorbereitung“ und Dehnung, die die Strukturen beweglicher hält. Wird ein Weibchen erst später erstmals tragend, steigt das Risiko, dass Beckenbänder und Symphyse weniger nachgeben und die Jungtiere schlechter passieren können.

Auch wenn der letzte Wurf lange zurückliegt, kann die Elastizität abnehmen. Zusätzlich nimmt im höheren Alter der Östrogeneinfluss tendenziell ab, wodurch Geburtsprobleme wahrscheinlicher werden. Als erhöhtes Risiko gelten insbesondere längere Abstände (zum Beispiel über ein Jahr), sehr späte Erstträchtigkeiten und Weibchen im höheren Alter (oft genannt: ab etwa 3 Jahren).

 

Trächtigkeitstoxikose: Notfall am Ende der Trächtigkeit

Die Trächtigkeitstoxikose ist eine schwere Stoffwechselentgleisung. Sie tritt typischerweise gegen Ende der Trächtigkeit auf, in manchen Fällen auch wenige Tage nach der Geburt. Häufig wird eine starke Belastung des Stoffwechsels mit Fettleber beschrieben, wodurch der Körper nicht mehr ausreichend „gegensteuern“ kann.

Warnzeichen vor der Geburt können sein:

  • Futteraufnahme nimmt deutlich ab oder hört ganz auf

  • stumpfes, gesträubtes Fell (oft besonders im Nackenbereich auffällig)

  • apathisches Verhalten, Rückzug, kaum Reaktion

Warum Wiegen so wichtig ist
Regelmäßige Gewichtskontrollen können helfen, frühe Veränderungen zu bemerken. Ein klarer Gewichtsverlust bei tragenden Weibchen ist immer ein Alarmsignal. Wenn bereits deutliche Krankheitszeichen sichtbar sind, ist die Prognose leider oft ernst, für Mutter und Jungtiere.

Seltener: Beschwerden nach der Geburt
In manchen Fällen entwickeln sich Probleme erst nach dem Wurf. Mögliche Symptome sind dann zusätzlich:

  • starke Abmagerung in kurzer Zeit

  • Gleichgewichtsprobleme

  • anhaltende Futterverweigerung

Der Verlauf kann schnell kritisch werden, deshalb zählt hier jede Stunde.

Risikofaktoren, die häufig genannt werden

  • zu wenig Bewegung

  • sehr energiereiches oder sehr eiweißreiches Futter

  • Übergewicht (als grobe Orientierung: deutlich über 1100 g vor der Trächtigkeit)

  • Stress, Unruhe, häufige Veränderungen

  • abrupte Futterumstellungen

  • Vitamin-C-Unterversorgung (der Bedarf steigt im letzten Drittel deutlich)

  • insgesamt zu geringe Energieaufnahme (zum Beispiel wenn die Versorgung nicht reicht)

Behandlung
Eine Trächtigkeitstoxikose gehört immer in tierärztliche Hände. Je nach Situation werden unterstützende Maßnahmen eingesetzt, etwa stabilisierende Lösungen (zum Beispiel mit Traubenzucker), Vitamine (z. B. Vitamin C und B12) und weitere Therapiebausteine. Begleitende Mittel können höchstens unterstützend gedacht werden, ersetzen aber niemals die Behandlung durch eine Tierärztin oder einen Tierarzt.

Geburtsstockung (Dystokie): wenn die Geburt nicht vorankommt

Wenn eine Geburt nicht normal voranschreitet, kann das unterschiedliche Gründe haben, zum Beispiel:

  • ungünstige Lage eines Jungtiers

  • sehr große Jungtiere

  • zu schwache Wehen

  • ein abgestorbenes Jungtier, das nicht aktiv „mitarbeitet“

  • Fehlbildungen, die den Durchtritt erschweren (zum Beispiel bei bestimmten genetischen Konstellationen)

Bei Verdacht auf eine Stockung sollte sofort tierärztliche Hilfe organisiert werden. Langes Abwarten kann für Muttertier und Jungtiere lebensgefährlich werden.

Hinweis
Diese Informationen dienen der allgemeinen Aufklärung und ersetzen keine tierärztliche Diagnose oder Behandlung. Bei Unsicherheit, auffälligen Symptomen oder jeder Form von Geburtskomplikation sollte umgehend eine Tierärztin oder ein Tierarzt kontaktiert werden, idealerweise mit Erfahrung in der Behandlung von Kleinnagern.

Wenn Jungtiere gepäppelt werden müssen

Zu kleine oder verwaiste Meerschweinchenbabys

Manchmal kommen Jungtiere deutlich zu klein zur Welt oder brauchen zusätzliche Unterstützung, weil die Versorgung nicht ausreichend klappt. Gründe können zum Beispiel sein: eine zu frühe Geburt, ein sehr großer Wurf, ein schwächeres Jungtier im Vergleich zu den Geschwistern oder eine eingeschränkte Entwicklung im Mutterleib. Auch individuelle Faktoren spielen eine Rolle.

Gewicht und realistische Einschätzung

Sehr leichte Jungtiere haben erfahrungsgemäß deutlich schlechtere Chancen. Als grobe Orientierung gilt: Unter etwa 50 g Geburtsgewicht wird es kritisch. Trotzdem kann es sinnvoll sein, zusätzlich zur Muttermilch vorsichtig zuzufüttern und engmaschig zu beobachten.

Zufüttern: wenn die Mutter noch da ist

Wenn das Jungtier bei der Mutter bleibt, kann man in manchen Fällen ergänzend Milch anbieten. Geeignet sind spezielle Aufzuchtmilchen für Kleintiere, die man über Fachhandel, Tierarzt oder Apotheke bekommt. Gefüttert wird am sichersten mit einer kleinen 1-ml-Spritze ohne Nadel, sehr langsam und tropfenweise. Ziel ist, das Jungtier zu unterstützen, ohne den Magen zu überlasten oder ein Verschlucken zu riskieren.

Wichtiger Hinweis: Bitte niemals Kuhmilch geben. Sie ist für Meerschweinchen nicht geeignet und kann ernsthafte Verdauungsprobleme auslösen.

Handaufzucht: nur wenn es wirklich keine bessere Lösung gibt

Wenn die Mutter während oder nach der Geburt stirbt oder die Jungtiere nicht annimmt, bleibt manchmal nur die Handaufzucht. Das ist extrem aufwendig und gelingt deutlich seltener, als viele denken. Deshalb gilt immer zuerst: Wenn irgendwie möglich, eine Amme suchen.

Amme bedeutet: ein anderes Weibchen, das zeitnah Junge bekommen hat und bereit ist, fremde Jungtiere zu akzeptieren. Das ist die beste Option, weil sie nicht nur Milch, sondern auch Wärme, Pflege und das „richtige“ Verhalten liefert. Die Überlebenschancen sind in der Regel wesentlich höher als bei kompletter Handaufzucht.

Grundwissen, das hilft, die Situation richtig einzuschätzen

Meerschweinchen sind Nestflüchter. Die Babys kommen bereits mit Fell, offenen Augen und Zähnen zur Welt und beginnen sehr früh, an Heu und anderem Futter zu knabbern. Trotzdem sind sie in den ersten Lebenstagen auf Milch angewiesen, weil Muttermilch Energie liefert und wichtige Abwehrstoffe enthält.

Wenn keine Amme gefunden werden kann, muss die Versorgung mit geeigneter Ersatzmilch organisiert werden und zwar konsequent und engmaschig.

Welche Milch ist geeignet?

Am besten sind spezielle Aufzuchtmilchen für Kleintiere. In der Praxis werden teils auch Katzenaufzuchtmilchen verwendet. Wichtig ist eine gute Verträglichkeit und eine saubere Zubereitung.

Nicht geeignet: Kuhmilch.
Im Notfall wird manchmal kurzfristig Ziegenmilch als Übergang genannt, sie ist aber keine optimale Dauerlösung.

Zubereitung und Fütterungsweg

Pulvermilch immer frisch nach Packungsanleitung anrühren und lauwarm anbieten (etwa Körpertemperatur). Zum Füttern eignen sich kleine Spritzen ohne Nadel, Pipetten oder sehr kleine Sauger. Entscheidend ist das Tempo: langsam, tropfenweise, ohne Druck.

Wie oft füttern?

Bei mutterlosen Jungtieren ist der Rhythmus das Schwierigste, weil er auch nachts eingehalten werden muss. Als Orientierung werden häufig diese Intervalle genutzt:

    1. Lebenswoche: etwa alle 2 Stunden, rund um die Uhr

    1. Woche: etwa alle 3 Stunden, nachts weiterhin mit einplanen

  • ab der 3. Woche: mehrere Milchgaben am Tag (oft 4 bis 5), parallel nimmt der Anteil an fester Nahrung deutlich zu

Mengen: Lieber sehr kleine Portionen geben (zu Beginn oft nur ungefähr 0,5 bis 1 ml pro Mahlzeit) und dafür häufiger. Zu große Mengen auf einmal erhöhen das Risiko für Blähungen und Durchfall.

Verdauung unterstützen

Normalerweise stimuliert die Mutter den Kot- und Urinabsatz über Putzen. Bei Handaufzucht muss das ersetzt werden. Nach dem Füttern kann man den Unterbauch und den Bereich um den After sehr sanft massieren. Dazu eignet sich ein warmes, leicht feuchtes Tuch, ein Wattepad oder ein sauberer Finger. Ziel ist nur ein sanfter Reiz, kein Drücken.

Übergang zur festen Nahrung

Auch wenn Milch in den ersten Tagen wichtig ist: Feste Nahrung gehört früh dazu.

  • ab den ersten Tagen: Heu und frisches Wasser immer anbieten

  • ab wenigen Tagen: kleine Mengen sehr gut verträgliches Frischfutter (zum Beispiel Gurke oder fein geraspelte Möhre)

  • ab der zweiten Woche: langsam mehr Blattgemüse und Kräuter einführen

Sobald die Jungtiere zuverlässig mehr festes Futter aufnehmen, kann man die Milch schrittweise reduzieren. Manche Halter reichern die Milch später vorsichtig mit fein gemahlenen Haferflocken an, um zusätzliche Energie zu liefern. Das sollte sehr behutsam erfolgen und nur, wenn die Verdauung stabil ist.

Hygiene und Umgebung

Handaufzucht klappt nur mit konsequenter Sauberkeit und passenden Bedingungen:

  • warm, zugfrei, sauber (oft genannt: etwa 22 bis 24 °C)

  • Unterlagen regelmäßig wechseln, weil Feuchtigkeit schnell Probleme macht

  • Hände vor jeder Fütterung gründlich waschen, Utensilien sauber halten

Kontrolle: Wiegen, beobachten, früh reagieren

Tägliches Wiegen ist bei Handaufzucht kein „Extra“, sondern Pflicht. Entscheidend ist eine stetige Zunahme. Wenn Gewicht stagniert, Durchfall auftritt, der Bauch stark aufgast, Atemgeräusche dazukommen oder das Tier schwächer wirkt, sollte sofort tierärztlich abgeklärt werden.

Als grobe Orientierung liegt das Geburtsgewicht vieler Jungtiere eher im Bereich von etwa 60 bis 120 g, kann aber variieren.

Absetzen und Rückkehr in die Gruppe

Wenn die Jungtiere sicher fressen, kann man die Milchgaben ab der dritten bis vierten Woche langsam auslaufen lassen. Spätestens mit vier bis fünf Wochen sind viele Tiere komplett entwöhnt. Häufig wird als praxisnaher Richtwert genannt: Ab etwa 250 g Körpergewicht klappt die Integration in eine normale Gruppe deutlich besser, vorausgesetzt, Alter, Sozialpartner und Rahmenbedingungen passen.

Kurz zusammengefasst

  • Wenn möglich immer zuerst eine Amme suchen

  • Handaufzucht ist nur die Notlösung und sehr zeitintensiv

  • Kleine Mengen, häufig füttern, langsam geben, Verschlucken vermeiden

  • Sauberkeit, Wärme und tägliches Wiegen sind entscheidend

  • Bei Problemen frühzeitig tierärztliche Unterstützung einholen

Wichtiger Hinweis
Handaufzucht ist anspruchsvoll und mit hohen Risiken verbunden. Eine tierärztliche Begleitung ist dringend zu empfehlen. Die Informationen dienen der Orientierung und ersetzen keine individuelle tierärztliche Beratung oder Behandlung.

Adoleszenz: wie Jungtiere sich entwickeln

Aus Hänschen wird Hans

Wenn Meerschweinchenbabys geboren werden, wirkt vieles schon erstaunlich „fertig“. In den meisten Fällen bringt ein Weibchen zwei bis vier Jungtiere zur Welt. Abweichungen sind möglich und nicht automatisch ungewöhnlich: Manchmal ist es nur eines, gelegentlich können es auch fünf oder sechs sein.

Nestflüchter: klein, aber komplett startklar

Meerschweinchen zählen zu den Nestflüchtern. Das heißt: Die Jungtiere kommen nicht hilflos zur Welt, sondern bereits weit entwickelt. Sie haben offene Augen, sind kurz nach der Geburt mobil und beginnen oft schon wenige Stunden später, an Heu und anderen festen Bestandteilen zu knabbern. Auch das Gebiss ist früh funktionstüchtig, weil die ersten Zähne schon sehr früh angelegt werden.

Trotzdem bleibt Muttermilch wichtig. Sie liefert Energie und unterstützt die Abwehrkräfte in der sensiblen Startphase.

Gewicht als Orientierung
Viele Jungtiere liegen bei der Geburt grob im Bereich von etwa 50 bis 140 g. Wird ein Baby deutlich leichter geboren, wird es kritisch. Unter 50 g ist besonders genaues Beobachten nötig, und unter 40 g sind die Chancen erfahrungsgemäß sehr gering. Deshalb ist Wiegen in den ersten Tagen und Wochen sinnvoll: Nimmt ein Jungtier nicht zu oder verliert sogar Gewicht, braucht es Unterstützung. Zufüttern kann dann notwendig sein, am besten nach tierärztlicher Rücksprache und mit geeigneter Aufzuchtmilch.

Säugezeit: wie lange wird getrunken?

Im Durchschnitt werden Jungtiere rund drei Wochen gesäugt. Es gibt aber deutliche Unterschiede: Manche Mütter hören früher auf, andere lassen ihre Kleinen deutlich länger trinken, vereinzelt auch bis in die fünfte oder sechste Woche hinein.

In Gruppen kann die Versorgung leichter werden, wenn mehrere Weibchen zeitgleich Junge haben. Dann läuft die Betreuung oft „gemeinschaftlicher“, und die Jungtiere profitieren davon, dass mehrere erwachsene Tiere in der Nähe sind. Auch kastrierte Böcke zeigen gelegentlich ein ruhiges, sozial unterstützendes Verhalten gegenüber dem Nachwuchs.

Wachstum und wichtige Zeitmarken

Wachstum
Als grobe Faustregel nehmen viele Jungtiere ungefähr 50 g pro Woche zu. Das ist ein Richtwert, keine Garantie, denn Genetik, Wurfgröße und Versorgung spielen eine große Rolle.

Böckchen rechtzeitig trennen
Junge Böcke können früher geschlechtsreif werden, als man denkt. Je nach Entwicklung kann das bereits zwischen drei und sechs Wochen der Fall sein. Spätestens wenn ein Jungbock etwa 250 g erreicht, sollte man sehr aufmerksam sein und ihn rechtzeitig von Weibchen trennen, damit es nicht zu ungewollten Deckungen kommt. Erste Hinweise können Brommseln und auffälliges Balzverhalten sein.

Weibchen
Weibliche Jungtiere können in der Regel bei der Mutter bleiben, entweder bis zur Abgabe oder dauerhaft, wenn die Gruppenkonstellation passt.

Pubertät
Etwa ab der zwölften Lebenswoche beginnt die eigentliche „Teenagerphase“. In dieser Zeit werden Rangordnung, Grenzen und soziale Regeln intensiv ausprobiert. Das kann zeitweise unruhiger wirken, ist aber ein normaler Teil der Entwicklung.

Ausgewachsen
Körperlich gelten Meerschweinchen ungefähr mit zwölf Monaten als ausgewachsen. Danach verändern sie sich meist noch etwas in der Statur und wirken insgesamt kräftiger.

Wichtiger Hinweis
Die Informationen beruhen auf gängiger Fachliteratur und Praxiswissen aus der Meerschweinchenhaltung. Sie ersetzen keine tierärztliche Beratung. Bei Entwicklungsauffälligkeiten, anhaltender Gewichtsabnahme, unklarem Verhalten oder gesundheitlichen Problemen sollte immer eine Tierärztin oder ein Tierarzt mit Erfahrung in Kleinnagern hinzugezogen werden.

Autorin: Eva-Maria Ganslmeier | letzte Änderung am 23.02.26 | alle Rechte vorbehalten

Meerschweinchenbaby Anisplätzchen

Meerschweinchenzucht

Fakten und Risikofaktoren

Zuchtinfos
Fachbegriffe Zucht
Zuchtmethoden
Rassen-Farben-Genetik
Trächtigkeit-Geburt-Adoleszenz

Zucht von Meerschweinchen – Verantwortung und Freude

Die Zucht von Meerschweinchen kann ein faszinierendes und erfüllendes Hobby sein, das jedoch auch mit viel Verantwortung verbunden ist. Ziel ist nicht die bloße Vermehrung, sondern die gezielte Auswahl von Tieren, um bestimmte Eigenschaften – wie Fellstruktur, Farbvarianten oder auch Wesensmerkmale – zu erhalten und zu fördern.

Wer sich mit der Zucht beschäftigen möchte, sollte sich zuvor gründlich mit den Grundlagen der artgerechten Haltung, Pflege und Ernährung befassen. Ebenso wichtig sind fundierte Kenntnisse über Genetik und Vererbung, um gesundheitliche Risiken zu vermeiden und das Wohl der Tiere zu sichern.

Im Vordergrund sollte stets das Wohlbefinden und die Gesundheit der Tiere stehen. Eine sorgfältige Vorbereitung, die Liebe zum Tier und der verantwortungsvolle Umgang mit den Meerschweinchen sind die Grundlage für eine verantwortungsvolle Zucht.

Die Inhalte dieser Artikel wurden nach bestem Wissen und Gewissen erstellt und dienen ausschließlich allgemeinen Informationszwecken.
Sie ersetzen keine tierärztliche Untersuchung oder Beratung. Bei gesundheitlichen Problemen, Unsicherheiten oder im Krankheitsfall wenden Sie sich bitte immer an eine*n Tierarzt/Tierärztin. Alle Informationen werden regelmäßig geprüft und nach Möglichkeit aktualisiert, dennoch kann keine Gewähr für die Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität übernommen werden.Eine Haftung für Schäden, die aus der Anwendung der hier bereitgestellten Informationen entstehen, ist ausgeschlossen.

  1. Grundsätzlichens
  2. 1 + 1 = viele?
  3. Bedenken
  4. Rassezucht
  5. Zuchtziele
  6. Zuchterfolge

 

Zucht bedeutet Verantwortung

 

Die Zucht von Meerschweinchen bedeutet Verantwortung – sowohl für die Tiere selbst, die ein hohes Maß an Versorgung und Fürsorge benötigen, als auch für die züchterische Ausrichtung. Ziel verantwortungsvoller Zucht sollte es stets sein, gesunde Tiere hervorzubringen, ohne deren Lebensqualität oder Gesundheit zu beeinträchtigen.

Da es im Bereich der Kleintierzucht keine verbindlichen Kontrollen durch Zuchtverbände oder das Veterinäramt gibt – wie es etwa in der Hundezucht üblich ist – ist es besonders wichtig, dass sich jede*r Züchtende im Vorfeld intensiv mit den Grundlagen der Zucht auseinandersetzt. Nur so lassen sich Fehler vermeiden, die auf Kosten der Tiere gehen.

Manche Menschen beginnen die Meerschweinchenzucht eher aus Freude am Tier und betrachten sie zunächst als unkompliziertes Hobby. Häufig zeigt sich jedoch, dass die mit einer Zucht verbundenen Kosten, der Arbeitsaufwand und die Verantwortung deutlich größer sind als zunächst angenommen. In manchen Fällen kommt es deshalb zur Aufgabe der Zucht oder – in Einzelfällen – auch zu behördlichen Eingriffen, wenn die Versorgung der Tiere nicht mehr gewährleistet ist.

Ein weiterer Punkt, den ich aus Erfahrung betonen möchte: Immer wieder erreichen mich Anfragen von Interessent*innen, die ein unkastriertes Tier nur für eine einmalige Verpaarung suchen. Solche Anfragen lehne ich grundsätzlich ab, da dies weder dem Tierschutzgedanken noch einer verantwortungsvollen Zuchtpraxis entspricht.

Natürlich soll Zucht auch Freude machen – ohne Freude und Begeisterung kann niemand langfristig mit Engagement dabei bleiben. Dennoch ist es wichtig, sich von Beginn an bewusst zu sein, dass mit der Zucht neben schönen Momenten auch Arbeit, Rückschläge und Kosten verbunden sind. Nicht jeder Wurf verläuft problemlos; auch mit Komplikationen, Fehlgeburten oder Krankheitsfällen muss gerechnet werden.

Unterstützung für Jungzüchtende

Gerne unterstütze ich Interessierte, die ernsthaft und gut vorbereitet in die Rassezucht einsteigen möchten. Auch die Abgabe von geeigneten Zuchttieren ist möglich – allerdings liegt die Verantwortung für die eigene Zuchtarbeit stets bei den neuen Halter*innen. Die besten und vielversprechendsten Tiere bleiben in der Regel in meiner eigenen Zucht, da jedes Zuchtziel individuell erarbeitet werden muss.

Besonders empfehlenswert ist der Anschluss an einen Meerschweinchenverein. Dort können Stammtische, Ausstellungen oder Fortbildungen besucht werden, die wertvolle Informationen vermitteln. Viele Vereine bieten zudem die Möglichkeit, eine Sachkundeprüfung abzulegen und einen entsprechenden Nachweis zu erhalten – das ist zwar nicht verpflichtend, aber sehr sinnvoll.

 

Autorin: Eva-Maria Ganslmeier | letzte Änderung am 23.02.26 | alle Rechte vorbehalten

1 + 1 = viele? – Über Nachwuchs und Verantwortung

 

Wer mit dem Gedanken spielt, Meerschweinchen zu züchten, sollte sich unbedingt im Vorfeld fragen, ob und wie für die Jungtiere geeignete Abnehmer gefunden werden können. Tiere zu verpaaren, „nur um einmal Babys zu haben“ oder „um zu sehen, was dabei herauskommt“, ist keine Zucht im eigentlichen Sinne, sondern lediglich Vermehrung.

Eine gezielte und verantwortungsvolle Zucht unterscheidet sich von der reinen Vermehrung dadurch, dass sie planvoll erfolgt – mit Blick auf Gesundheit, Rasseeigenschaften und Wohlergehen der Tiere. Unerfahrene Halter*innen unterschätzen jedoch häufig die damit verbundenen Anforderungen. Unkontrollierte Verpaarungen können gesundheitliche Risiken für die Muttertiere und den Nachwuchs bergen und zu schwerwiegenden Problemen führen.

Natürlich sind Tierbabys entzückend und es ist nicht verboten, Meerschweinchen Nachwuchs zu ermöglichen. Dennoch sollte man sich stets bewusst sein: Man übernimmt eine große Verantwortung. Deshalb ist es wichtig, sich vorab gründlich mit den Grundlagen der Zucht zu beschäftigen, um Komplikationen zu vermeiden.

Ein häufig unterschätztes Problem: Wenn beispielsweise zwei Weibchen mit den Böckchen von Freunden verpaart werden, kann es sein, dass die Böcke sich danach nicht mehr vertragen. Der Kontakt zu einem Weibchen kann das soziale Gleichgewicht dauerhaft stören – in vielen Fällen lassen sich die Tiere später nur schwer oder gar nicht wieder vergesellschaften.

Darüber hinaus sollte klar sein, dass es nicht im Sinne des Tierschutzes sein kann, wenn die Jungtiere am Ende aus Platzmangel weitergegeben werden müssen, ohne dass sichergestellt ist, dass sie in artgerechte Hände kommen. Eine verantwortungsvolle Zucht bedeutet daher immer auch: Sichere und geeignete Plätze für alle Jungtiere.

Was sollte man bedenken, wenn man Meerschweinchen züchten möchte?

 

Eine Meerschweinchenzucht ist mit viel Verantwortung verbunden. Wer diesen Schritt überlegt, sollte vorab folgende Punkte berücksichtigen:

1. Platz

Habe ich ausreichend Platz, um Jungtiere notfalls auch länger zu behalten, wenn sich nicht sofort ein neues Zuhause findet?
Wichtig ist, dass die Abgabe nur in geeignete und artgerechte Haltung erfolgt. Eine Zucht sollte nicht das Ziel haben, Tiere lediglich „weiterzugeben“, ohne die künftigen Haltungsbedingungen zu kennen.

2. Finanzen

Die Meerschweinchenzucht ist kein Gewinn bringendes „Geschäft“, sondern ein kostenintensives Hobby.
Neben den laufenden Kosten für Futter, Unterkunft und Pflege können jederzeit zusätzliche Ausgaben entstehen, z. B. durch tierärztliche Behandlungen während der Trächtigkeit oder Geburt. Auch Zubehör wie Häuser, Trinkflaschen oder Heuraufen summieren sich mit der Zeit.
Eine kleine Reserve für Notfälle ist daher unbedingt einzuplanen.

3. Genetik

Für eine verantwortungsvolle Zucht ist ein grundlegendes Wissen über Rassen, Vererbung und Farblehre erforderlich. Ohne dieses Wissen kann es zu unerwünschten Ergebnissen oder gesundheitlichen Problemen bei den Tieren kommen.
Besonders bei speziellen Farbschlägen wie Dalmatiner, Schimmel oder Satin ist Fachwissen unverzichtbar. Hier sollte man auf seriöse Fachliteratur zurückgreifen oder sich an erfahrene Züchter wenden.

4. Amtliche Vorgaben

Ob für eine Meerschweinchenzucht eine Genehmigung erforderlich ist, hängt von den örtlichen Vorschriften ab.
Bitte informieren Sie sich vor Beginn der Zucht beim zuständigen Ordnungsamt.
Beispiel: In manchen Regionen (z. B. Landkreis Landshut) ist eine Anmeldung erst ab einer bestimmten Anzahl von Jungtieren pro Jahr erforderlich, ab der dann auch eine veterinäramtliche Prüfung vorgesehen ist.

5. Unterkunft

Der Stall oder das Gehege muss groß genug sein, um mehrere Tiere – auch Jungtiere – artgerecht unterzubringen.
Dabei ist es ratsam, die gewohnte Umgebung möglichst stabil zu halten, um den Elterntieren unnötigen Stress zu ersparen.
Wichtig: Männliche Jungtiere müssen ab einem Alter von ca. 5 Wochen von der Mutter getrennt werden. Ideal ist es, wenn sie anschließend mit einem älteren, gut sozialisierten Bock zusammenleben, der als „Erzieher“ dient.

6. Entsorgung

Auch die Entsorgung von Einstreu und Mist sollte im Vorfeld bedacht werden. Die Mengen sind nicht zu unterschätzen.
Je nach Gemeinde kann die Entsorgung über öffentliche Grüngutcontainer untersagt sein. Alternativen sind ein eigener Misthaufen (Landwirtschaft), Kompost (Kann Probleme mit Nachbarn auslösen)oder spezielle Entsorgungsstellen. 

Hinweis: Dieser Text dient ausschließlich der allgemeinen Information und basiert auf Erfahrungen in der Kleintierzucht. Er erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit oder Allgemeingültigkeit. Für die Einhaltung rechtlicher Vorgaben (z. B. kommunaler Vorschriften, Tierschutzgesetze) sind die jeweiligen Halter*innen selbst verantwortlich.


Warum Rassezucht bei Meerschweinchen?

 

Im Gegensatz zu anderen Tierzuchten – etwa der Hundezucht, die traditionell auch auf Gebrauchseigenschaften (z. B. Jagd- oder Hütefähigkeiten) ausgerichtet ist – spielt der „Nutzwert“ in der Meerschweinchenzucht in Europa kaum eine Rolle.
Hier steht die Liebhaberei, Vielfalt und Freude an der Zucht im Vordergrund. Die Zuchtziele konzentrieren sich auf Aussehen, charakterliche Eigenschaften und Gesundheit der Tiere.

Anders ist die Situation in einigen Ländern außerhalb Europas, etwa in Südamerika: Dort werden die sogenannten Cuy (Riesenmeerschweinchen) traditionell als Nutztiere gehalten und gezüchtet – in erster Linie zur Fleischgewinnung. Hier liegt der Schwerpunkt der Zucht auf Körpergröße und Fleischmasse, nicht auf Erscheinungsbild oder Farbschlägen.

Der Sinn der Rassezucht

Warum also überhaupt Meerschweinchen als Rassetiere züchten, wenn es keinem „praktischen Zweck“ dient?
Ganz ähnlich könnte man fragen, warum Rosen gezüchtet werden, obwohl sie nicht einmal einen besonderen ökologischen Nutzen haben.

Die Antwort ist einfach: Weil wir Menschen uns an Vielfalt, Schönheit und Einzigartigkeit erfreuen.

Seit Meerschweinchen als Heimtiere nach Europa kamen, haben sich zahlreiche Rasse- und Farbschläge entwickelt. Diese wurden über viele Generationen durch gezielte Auswahl und Zucht gefestigt und sind heute durch Zuchtvereine anerkannt.
Seriöse Züchter*innen arbeiten dabei nicht nur am äußeren Erscheinungsbild, sondern legen großen Wert darauf, dass gesundheitliche Aspekte nicht unter der Zuchtarbeit leiden. Ein Beispiel: Tiere mit extrem kurzen Köpfen können Atem- oder Zahnprobleme entwickeln – verantwortungsvolle Zucht versucht, solche Merkmale zu vermeiden.

Grenzen der Rassezucht

Im Grundsatz schadet es einem Tier nicht, einer bestimmten Rasse anzugehören.
Problematisch wird es erst dann, wenn bei der Zucht gesundheitliche Beeinträchtigungen in Kauf genommen werden oder angezüchtete Merkmale die Lebensqualität mindern. In diesem Fall spricht man von Qualzucht – und diese ist selbstverständlich abzulehnen.

Leider gibt es immer wieder Zuchten, in denen äußere Merkmale wichtiger erscheinen als die Gesundheit. Hier ist es wichtig, sich als verantwortungsbewusster Züchter klar abzugrenzen.

Rassezucht ist mehr als Vermehrung

Wichtig ist außerdem: Rassezucht bedeutet mehr als das bloße Verpaaren zweier Tiere derselben Rasse.
Dazu gehören:

  • das Führen von Zuchtbüchern,

  • das Erstellen von Stammbäumen,

  • die langfristige Planung von Zuchtzielen,

  • sowie die Verantwortung, gesunde und sozial geprägte Tiere weiterzugeben.

Heute erleichtern Computerprogramme vieles, aber der Aufwand bleibt hoch – und er unterscheidet die seriöse Rassezucht klar von bloßer Vermehrung.


 

Rechtlicher Hinweis

Dieser Artikel dient ausschließlich allgemeinen Informationszwecken. Er spiegelt persönliche Erfahrungen und Beobachtungen wider und erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit oder Allgemeingültigkeit. Er ersetzt keine rechtliche oder veterinärmedizinische Beratung.

 

Zuchtziele

 

Bevor man mit der Zucht von Rassemeerschweinchen beginnt, sollte man sich Klaren sein, welche Rasse(n) und Farbe(n) man züchten möchte. Gerade Jungzüchtende sind Anfangs noch untentschlossen und verzetteln sich oftmals, weil sie das ergeizige Ziel verfolgen mehrere Rassen und Farbschläge gleichzeitig zu züchten. Dabei wird oft übersehen, dass es keinesfalls bei dem einen Zuchtpaar pro Rasse/Farbschlag bleiben kann, mit dem man eine Zucht beginnt. Früher oder später kommt möglicherweise der Zeitpunkt, wo einem die Arbeit und die Kosten über den Kopf wachsen. Meist ist auch der Platz begrenzt und man kann einfach nicht noch mehr Tiere unterbringen. Dazu kommt, dass Zuchtsauen spätestens im Alter von 3 Jahren nicht mehr zur Zucht eingesetzt werden und in Rente geschickt werden. Auch für diese Tiere braucht man Platz, oder eine gute Möglichkeit sie an einen guten "Rentnerplatz" zu vermitteln.

Rassestandard:

Jeder Züchtende sollte also ein oder mehrere bestimmte Zuchtziele haben. Das Bestreben der meisten Züchtenden liegt in der Verbesserung und Festigung von Rassemerkmalen, so dass die Tiere dem von Zuchtverbänden vorgegebenen Rassestandard entsprechen.. Aber auch die Zucht neuer Farbschläge in einer bestimmten Rasse kann ein interessantes Ziel sein. Der Rassestandard ist eine Aufstellung von rassespezifischen Merkmalen die ein Meerschweinchen besitzen muss, um der Rasse zu entsprechen, damit kein Züchtender auf sich alleine gestellt ist. Auch Fehler werden hier aufgelistet.

  • Fellstruktur
  • Felllänge
  • Wirbel
  • Körperbau/Typ
  • Ohren
  • Augen
  • Farbe


Ein häufiges Problem ist aber, dass die als Rassestandart erwünschte, runde Kopfform (Römernase) zu einer Knickung des Tränen-Nasen-Kanals führt. Dadurch kommt es zu einem Rückstau der Tränenflüssigkeit. Die Tiere haben Augenausfluss, der virale oder bakterielle Infekte verursachen kann. Durch den angezüchteten zu kurzen Kiefer kommt es zu einem noch gravierenderen Problem. Unser Tierarzt berichtete mir, dass er im Durchschnitt jeden Monat 2 Tiere einschläfern muss, die nicht mehr fressen können, weil die Backenzähne so stehen, dass sie sich nicht abnutzen, dadurch werden die Zähne schnell zu lang und wachsen in den Gegenkiefer ein (Brückchenbildung). Das führt zu schmerzhaften Entzündungen und Abszessen, wodurch die Tiere große Qualen erleiden und nicht mehr fressen können. Das traurige Ende eines Schönheitsideals. Natürlich können auch andere Ursachen zu diesen Problemen führen. Ähnliche Probleme gibt es übrigens auch bei anderen Tierrassen, insbesondere Hunderassen wie Mops oder Französische Bulldogge. Es ist also in Frage zu stellen, ob die absolute Verfolgung extremer "Schönheitsideale" zu verantworten ist, wenn die Gesundheit der Tiere dafür riskiert wird. Es ist aber bei vielen Zuchten eine Tendenz zu erkennen, dass die Kopfform wieder länger wird, verantwortungsvolle Züchtende arbeiten wieder daran, dass die Tiere wieder eine "gesunde" Kopfform und nicht die damit verbundenen gesundheitlichen Probleme haben.

Schönheitsideale:

Nur ein fehlerfreies Meerschweinchen ist ein gutes Meerschweinchen? Nein, das finden wir nicht. Der Rassestandard schreibt zwar vor, wie ein "schönes" Meerschweinchen auszusehen hat. Da gibt es dann eine Liste mit sogenannten Zuchtfehlern. Das kann zum Beispiel ein Faltohr sein, oder ein falsch platzierter Fellwirbel. Diese Tiere gelten dann als "zur Zucht nicht geeignet". Dennoch sind diese Meerschweinchen keine "Ausschussware", es sind schließlich und endlich liebenswerte Lebewesen!  Man sollte sie nur nicht weiter zur Zucht einsetzen, da sich bestimmte Fehler rezessiv oder dominant weitervererben, besonders die Faltohren. Trotzdem sind es liebenswerte Tiere, die ein Recht auf ein schönes Zuhause und ein lebenswertes Leben haben.

Zuchtziel bei der Moppelbande:

  • Erhaltung und Verbesserung der Rasse Angora in den Farben Schokokombinationen und Goldkombinationen mit Schwerpunkt auf Verbesserung der Wirbel und Fellstruktur.
  • Gesunde und kräftige Tiere, frei von Gendefekten und Erbkrankheiten mit gesundem Körperbau ohne extreme Verkürzung der Kopfform.
  • Die Farben Schoko und Gold in Kombinationen zu intensivieren (sekundäres Zuchtziel), getreu der Devise: Erst baue ich mein Haus, dann streiche ich es an.

Informationen zum Rasseporträt von Angorameerschweinchen gibt es hier.

 

Rechtlicher Hinweis

Dieser Artikel dient ausschließlich allgemeinen Informationszwecken. Er spiegelt persönliche Erfahrungen und Beobachtungen wider und erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit oder Allgemeingültigkeit. Er ersetzt keine rechtliche oder veterinärmedizinische Beratung.

Zuchterfolge bei Meerschweinchen

 

Wann ist eine Zucht erfolgreich?

Vor jedem Erfolg steht die Arbeit – wie in vielen anderen Lebensbereichen auch. Dazu gehören: fundiertes Lernen, die Auswahl geeigneter Zuchttiere bei seriösen Züchter*innen, die Erstellung von Zuchtplänen und Zuchtbüchern, sowie der Besuch von Ausstellungen, Tischschauen und Seminaren.

Von einem Zuchterfolg kann man bereits sprechen, wenn gesunde Nachkommen geboren werden, die den angestrebten Zuchtzielen näherkommen und keine erkennbaren genetischen Defekte aufweisen. Das langfristige Ziel vieler Züchter*innen ist es, Tiere zu züchten, die reinerbig sind und gleichzeitig über stabile gesundheitliche Eigenschaften sowie einen optimierten Phänotyp verfügen.

Dies setzt allerdings umfangreiche Kenntnisse über Genetik, Haltung und Zuchtmethoden voraus – und erfordert, dass dieses Wissen auch konsequent angewendet wird.

Bestätigung durch Ausstellungen
Eine zusätzliche Bestätigung für die eigene Zuchtarbeit können Tischschauen oder Ausstellungen bieten. Dort werden Tiere von erfahrenen Preisrichterinnen beurteilt. Die Bewertungen werden schriftlich dokumentiert, sodass Züchterinnen gezielt Stärken und Schwächen erkennen und ihre Zuchtplanung darauf abstimmen können.

Keine Pflicht zur Bewertung
Im Unterschied zu anderen Tierzuchten – etwa der Hundezucht – besteht für Kleintierzüchter*innen keine Verpflichtung, ihre Tiere auf Ausstellungen bewerten zu lassen oder vor dem Zuchteinsatz eine Zuchteignungsprüfung durchzuführen. Ebenso gibt es keine Pflicht, Tiere in ein offizielles Zuchtregister eines Vereins einzutragen.

Eigenverantwortung bleibt zentral
Gerade weil es keine rechtlichen Vorgaben oder verbindlichen Kontrollen gibt, trägt jeder Züchterin die Verantwortung, mit größtmöglicher Sorgfalt, Transparenz und Ehrlichkeit zu arbeiten. Dazu gehört insbesondere das gewissenhafte und nachvollziehbare Führen von Stammbäumen und Zuchtbüchern.

 

Hinweis: Dieser Artikel dient ausschließlich allgemeinen Informationszwecken und spiegelt persönliche Erfahrungen und Beobachtungen wider. Er erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit oder Allgemeingültigkeit und ersetzt keine tierärztliche oder rechtliche Beratung.

 

 

angorameerschweinchen freddy

Rasseportrait Angora

Definition Angora | Rassestandard

weiss-braunes Meerschweinchen auf grüner Wiese
Abgabetiere
Rassen
Braun-Rotes Meerschweinchen, erwachsenes Angora
  1. Definition Angora
  2. Angora oder Peruaner
  3. Angora Zucht
  4. Rassestandard

 

Was ist ein Angorameerschweinchen?

Das (deutsche) Angora ist ein Langhaarmeerschweinchen mit glattem Fellhaar und mindestens sechs Rosetten/Wirbeln in symmetrischer Anordnung mit einem klar erkennbaren Zentrum. Je mehr Rosetten/Wirbel vorhanden sind, desto besser. Ein zusätzlicher Stirnwirbel ist erwünscht und stellt keinen Fehler dar, fließt jedoch nicht in die Bewertung ein.

Es handelt sich um eine der ältesten Meerschweinchenrassen in Deutschland, die jedoch bis vor nicht allzu langer Zeit so gut wie unbekannt war. Berichten zufolge sollen die ersten Tiere Anfang des 19. Jahrhunderts von Frankreich nach Deutschland gekommen sein.

Durch die ausgeprägten Backenbärte und den markanten Pony, der ins Gesicht fällt, ähneln Angoras auf den ersten Blick den Peruanern. Das Fell ist mindestens bodenlang und seidig, vergleichbar mit dem der Peruaner-Meerschweinchen. Durch die Rosetten wirkt es jedoch wie „durcheinandergewirbelt“. Die Namensbezeichnung ist möglicherweise etwas irreführend, da die Fellstruktur keine Ähnlichkeit mit der von Angorakaninchen aufweist.

Die Rosetten/Wirbel des Angorameerschweinchens sind idealerweise wie bei den Rosettenmeerschweinchen angeordnet: Sie sollten in Linie und Symmetrie stehen und ein deutliches Zentrum haben. Es sollten mindestens sechs symmetrisch angeordnete Rosetten vorhanden sein.


Verteilung der Rosetten:

  • 2 Hinterhandrosetten

  • 2 Hüftrosetten

  • mindestens 4 Körpermitte-Rosetten

  • zusätzlich dürfen 2 Schulterrosetten vorhanden sein

  • zusätzlich darf eine Stirnrosette vorhanden sein

  • ein Kopfwirbel sorgt für den Pony


Anmerkungen:

  • Zusätzliche Rosetten an der Körpermitte sind erwünscht und sollten Zuchtziel sein.

  • Die Rosetten sollten in Symmetrie und Linie angeordnet sein.

  • Wie bei den kurzhaarigen Rosettenmeerschweinchen entstehen durch die Wirbel Kämme, die jedoch durch das lange Fell nicht sichtbar werden.

  • Eine einheitliche, optisch gleichmäßige Felllänge ist durch die Rosettenbildung nicht möglich.

  • Als eigene Rasse ist das Angora bislang nicht im deutschen Rassestandard anerkannt, befindet sich jedoch auf dem besten Weg dorthin. In einigen Zuchtvereinen hat es bereits Anerkennung und einen vereinsinternen Rassestandard erhalten.


Weitere Hinweise:

  • Angorameerschweinchen gibt es theoretisch in allen Farbvarianten, die bei Meerschweinchen vorkommen. Da die Anzahl der Angorazüchter und -züchterinnen aber leider stark zurückgegangen ist, wird man sie nur noch in sehr wenigen Farbvarianten finden. Genetisch wäre es aber möglich, alle bekannten und anerkannten Farbschläge zu züchten.1

  • Anatomisch unterscheidet sich das Angorameerschweinchen nicht von den meisten anderen Rassen.

  • Vermutlich sind sie aus Verpaarungen von Peruanern oder Shelties (hierzu gibt es keine gesicherten Angaben) mit Rosettenmeerschweinchen entstanden. Auch eine spontane Mutation ist möglich.

  • Die Genformel entspricht im Wesentlichen der der Peruaner. Es wird jedoch vermutet, dass bei Angoras ein Modifikator auf dem Faktor mm liegt, der die Vervielfachung der Wirbel verursacht.

Genformel:
ll RhRh mm SnSn stst RxRx FzFz ChCh lulu


 

Ginger, ein gut bewirbeltes Angorameerschweinchen in rot/weiss

Alter 5 Wochen
Gesamtzahl der Wirbel: 10
dabei wird der Stirnwirbel nicht mitgezählt
alle Wirbel sind symmetrisch angeordnet und in Linie

Beschreibung Angorameerschweinchen

 

1.Körper-Mitte-Wirbel
2.Schulterwirbel (durch das schon etwas längere Fell etwas schlecht erkennbar)
3.Körper-Mitte-Wirbel
4.Hinterhandwirbel
5.Hüftwirbel hinten
6.Stirnrosette
Auch auf der linken Seite sind die Wirbel absolut symmetrisch angeordnet.
Gesamtzahl der Körper-Mitte-Wirbel: 4
Gesamtzahl der Hüft-/Hinterhandwirbel: 4

ein explodierter Handfeger von oben
betrachtet 
aber auch hier kann man
noch die Symmetrie der Wirbel erkennen

 

Angorameerschweinchen von oben

Powirbel Angorameerschweinchen

die zentralen Powirbel

 

 

 

Resümee: Ginger ist mit 4 Körper-Mitte-Wirbeln und 4 Hüft-/ Hinterhandwirbeln die zudem alle in Symmetrie und Linie sind schon ein sehr schön bewirbeltes Angoraschweinchen und ich bin mit diesem Ergebnis schon sehr zufrieden.

 

Anmerkung zur Definierung Wirbel oder Rosette:

Diese beiden Begriffe haben die gleiche Bedeutung. Gemeint ist ein ca. Stecknadelkopf großes, klares Zentrum um das die Fellhaare kreisförmig angeordnet sind. Es gibt jedoch gute oder schlechte Wirbel/Rosetten. Fachlich korrekt wäre Rosetten, die Bezeichnung Wirbel ist eher umgangssprachlich.

 

zurück zu Rassen

Angora oder Peruaner mit Fehlwirbel – was denn nun?

 

Trotz identischer Genformel muss man klar unterscheiden zwischen einem Peruaner mit Fehlwirbeln, d. h. zusätzlichen oder fehlplatzierten Wirbeln/Rosetten, und einem echten Angora. Oft werden Peruaner mit ein oder zwei Fehlwirbeln fälschlicherweise als Angoras deklariert – so einfach ist das jedoch nicht.

Dennoch werden solche Tiere in Ermangelung guter Angorazuchttiere auch in der Angorazucht verwendet. Sie besitzen teilweise die genetische Disposition zur verstärkten Rosettenbildung. Dadurch erscheinen die Rosetten/Wirbel nicht nur – wie beim Peruaner – auf den Hüften, sondern auch am Kopf, Rücken, in der Körpermitte, an der Hinterhand und den Schultern. Diese Verstärkung liegt vermutlich auf dem Faktor mm, ist aber bislang wissenschaftlich nicht erforscht.

Ein Peruaner kann durchaus Angoras hervorbringen, zum Beispiel wenn:

  • in den Vorfahren dieses Peruaners bereits Angoras vorkamen,

  • oder ein Elternteil ein Angorameerschweinchen ist, das seine Wirbel besonders gut vererbt.

Ich habe jedoch auch die Erfahrung gemacht, dass eine Verpaarung von Angora × Peruaner FW mit angeblichen Angoravorfahren (laut Abstammungsnachweis) keinerlei Angoras ergeben hat – es fielen ausschließlich Peruaner FW oder Peruaner. Möglicherweise waren die vermeintlichen Angoravorfahren in Wirklichkeit keine echten Angoras. Am Bock lag es nicht, denn er hat mit anderen Weibchen wunderbare Angoras hervorgebracht.

Durch die Einkreuzung von Peruanern ist es nicht verwunderlich, wenn man in einem Wurf sowohl Peruaner (oft FW) als auch Angoras hat. Immer wieder tauchen auch Shelties auf, da sie irgendwann in die Linie eingekreuzt wurden. So kann es gelegentlich passieren, dass man in einem einzigen Wurf drei unterschiedliche Rassen vorfindet.

Die Rosetten erkennt man am besten im Babyalter, wenn das Fell noch kurz ist. Oft lässt sich schon in den ersten Tagen erkennen, wer für die Zucht bleibt und wer weitervermittelt wird.

Das Einkreuzen von Peruanern (am liebsten mit Fehlwirbeln) macht auch Sinn, wenn man bestimmte Farbziele verfolgt. Leider gibt es nur wenige Ausgangstiere bei den Angoras, wodurch die Farbenvielfalt sehr eingeschränkt ist. Die Farbe spielt bei mir persönlich zwar nur eine untergeordnete Rolle, doch besonders schön finde ich Schoko-Kombinationen, Rot in verschiedenen Varianten und Creme-Weiß.

 

Allgemeines zur Zucht von Angorameerschweinchen

 

Das Angorameerschweinchen ist sehr schwierig zu züchten weil:

  • es nur sehr wenig Ausgangstiere gibt, die zudem nicht alle für die Zucht geeignet sind
  • Angorazüchter sind schon in Deutschland sehr selten, im Ausland nicht zu finden
  • die Rasse einfach noch nicht genügend durchgezogen ist, da sich nur wenige ernsthaft mit der Angorazucht beschäftigen

    Angorazucht – Wege und Beobachtungen

     

    „Der Weg ist das Ziel“, heißt ein altes Zitat von Konfuzius. Aber jeder Züchter muss seinen eigenen Weg gehen und eigene Erfahrungen machen. Es gibt verschiedene Zuchtansätze und viele Gedanken, die wir Angorazüchter gerne diskutieren.

    Die Zucht von Angoras über Rosette × Sheltie ist meiner Meinung nach der mühseligste Weg, um langfristig gute Angoras zu erhalten. Es dauert mindestens 7–8 Generationen, bis eine akzeptable Felllänge erreicht ist. Zudem habe ich die Erfahrung gemacht, dass sich Sheltie-Eigenschaften sehr hartnäckig über viele Generationen halten – oft sogar über 10 Generationen. Ein Stammbaum mit nur vier eingetragenen Generationen reicht daher nicht aus, um Überraschungseffekte auszuschließen. Genetisch betrachtet ist das Sheltie, als völlig rosettenlose Rasse, für die Angorazucht eher kontraproduktiv. Das Peruanermeerschweinchen eignet sich aufgrund seiner Veranlagung zur Wirbelbildung deutlich besser.

    Bei meinen Beobachtungen fiel mir auf, dass ein besonders seidiges Fell dazu führt, dass die Wirbel im langen Fell nicht mehr sichtbar sind. Solche Tiere wirken bestenfalls wie leicht aufgebauschte Peruaner. Deshalb wäre ein etwas harscheres Fell wünschenswert. Versuche, durch Einkreuzung von Lunkaryas mehr Standfestigkeit ins Fell zu bringen, blieben bislang ohne Erfolg. Offensichtlich hängt die Harschheit des Lunkaryafells mit dem Lockengen zusammen. Wir arbeiten also weiter an diesem Problem.

    Erfahrungsbericht aus meiner Zucht:

    Das Einkreuzen von Peruanern hat sich bei mir zwar kurzfristig positiv auf die Felllänge ausgewirkt – man erhält sofort Tiere mit schönem, langem Fell –, jedoch negativ auf die Zahl und die Stabilität der Rosetten. Diese Schwäche zieht sich über Generationen hinweg: Die Nachkommen zeigen häufig instabile oder zu wenige Rosetten.

    Deutlich bessere Ergebnisse erziele ich, wenn ich mit Rosettenmeerschweinchen arbeite, die gute und standardgerechte Rosettenanlagen besitzen. Dieser Weg ist zwar umständlicher, da die Felllänge in den ersten Generationen stark zu wünschen übrig lässt. In der F1-Generation fallen fast ausschließlich kurzhaarige Hybriden. Erst durch konsequente Weiterverpaarung mit langhaarigen Angoras lassen sich diese Kurzhaarmerkmale über mindestens drei weitere Generationen wieder herauszüchten. Frühestens in der F4-Generation erhält man dann wieder Angoras mit schöner Felllänge und stabilen, zahlreichen Rosetten. Es hat sich gezeigt, dass der Sitz und die Stabilität der Rosetten letztendlich bei den daraus hervorgegangenen Angoras viel besser ist, als beim Einkreuzen von Peruanern oder Sheltie x Rosette. So meine Erfahrung seit Beginn meiner Zucht im Jahr 2008.

 

Die Erbformel für die Fellstruktur:ll RhRh mm SnSn stst RxRx FzFz ChCh lulu 
L-Paar für Kürzes oder langes Haar LL = kurz

ll = lang

Ll= "Vokuhila"
Fell mit langen und kurzen Haaren, meistens wie
eine Schleppe über dem hinteren Körperteil, manchmal auch mehr oder weniger
gleichmäßig über dem ganzen Körper verteilt, wie die Stacheln eines Igels.

Rh-Paar für rauhes, strubbeliges oder glattes Haar RhRh = Wirbel, Rosette

rhrh = kein wirbel oder Rosette

Rx-Paar für krauses Haar RxRx = nicht kraus

rxrx = kraus

Sn-Paar für Satin SnSn = nicht Satin

snsn = Satin

St-Paar für Schopf (Crested) Stst = Schopf

stst = kein Schopf

Rassestandard MCB – Angora

 

Allgemeine Beschreibung:


Das Angora ist ein langhaariges Meerschweinchen mit mindestens sechs Körperwirbeln, die möglichst symmetrisch angeordnet sind. Meist kommt zusätzlich ein Stirnwirbel vor.
Der Haareinsatz ist nicht – wie beim Peruaner – nach vorn gerichtet, sondern ähnelt in seiner Wuchsrichtung eher dem Sheltie.

Gute Angoras wirken durch die Wirbel wie „vom Wind zerzaust“. Ihr ausgeprägter Pony und Backenbart erinnern zwar an den Peruaner, jedoch entspricht der Körperbau eher dem eines langhaarigen Rosettenmeerschweinchens.

Das Angora gilt als eine der ältesten bekannten Langhaarrassen in Deutschland. Innerhalb des MCB wird es nach folgendem Rassestandard gezüchtet.

⚠️ Hinweis: Dieser Standard ist nur im MCB anerkannt. Im MFD BD e.V. (Meerschweinchenfreunde Deutschland) ist das Angora bislang nicht als eigenständige Rasse anerkannt.


 

b) Genformel:
ll Sn_ stst Rx_ Rh_ Td_ Ch_


c) Rassespezifische Merkmale:

  • (zu 3) Haare mindestens bodenlang

  • (zu 4) Anzahl der Wirbel: mindestens 6

  • (zu 4) gleichmäßige Anordnung der Wirbel


 

d) Fehler:

  • ungleichmäßige Anordnung der Wirbel

  • Haarwuchsrichtung nach vorn wie beim Peruaner

  • offene Wirbelzentren

  • Doppelwirbel

  • Strichwirbel


 

e) Ausschlussfehler:

  • vier oder weniger Rosetten

  • zu viele fehlerhafte Rosetten mit schlechten Zentren

Autorin: Eva-Maria Ganslmeier | letzte Änderung am 23.02.26 | alle Rechte vorbehalten

angorameerschweinchen wirbel

Rassen - Farben - Genetik

Genetische Grundlagen der Fellfarbe und Rassenvielfalt bei Meerschweinchen

Unsere heutigen Hausmeerschweinchen bieten eine beeindruckende Vielfalt an Rassen und Farben. Diese entstand durch gezielte Zucht und Selektion, die über viele Generationen hinweg betrieben wurde.

Auf den folgenden Seiten findet ihr:

  • eine Übersicht über die anerkannten Zuchtrassen,

  • die verschiedenen Farbvarianten mit Beispielen,

  • sowie Hintergrundwissen zur Genetik der Meerschweinchen.

Gerade der genetische Teil ist besonders für Züchterinnen und Züchter interessant, da er hilft, Vererbungsmuster besser zu verstehen und fundierte Zuchtentscheidungen zu treffen.

Rassen
3 Meerschweinchenbabys
Farben
3 meerschweinchen
Genetik
Meerschweinchen mit DNA Kette

Durch gezielte Zucht und sorgfältige Selektion haben sich über viele Generationen hinweg zahlreiche Rassen und Farbvarianten entwickelt.

👉 Für alle Meerschweinchenfreunde:
Hier könnt ihr die große Vielfalt an Fellfarben und -mustern entdecken und erfahren, welche Besonderheiten die einzelnen Rassen auszeichnen.

👉 Für Züchterinnen und Züchter:
Im zweiten Teil findet ihr vertiefende Informationen zur Genetik der Meerschweinchen. Dieses Kapitel zeigt, wie sich bestimmte Farb- und Fellmerkmale vererben und welche Grundlagen für eine verantwortungsvolle Zucht wichtig sind.


⚖️ Hinweis:
Die hier bereitgestellten Informationen dienen ausschließlich der allgemeinen Aufklärung und dem Austausch von Erfahrungen. Sie ersetzen keine tierärztliche Beratung und erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit oder Allgemeingültigkeit.

 

Autorin: Eva-Maria Ganslmeier | letzte Änderung am 23.02.26 | alle Rechte vorbehalten

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Rassemeerschweinchenzucht
Landshuter Moppelbande
Eva-Maria Ganslmeier
Ettersdorf 25
84066 Mallersdorf-Pfaffenberg

Tel. +49 152 54013737
E-Mail: info@meerschweinchenlandshut.de

 

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