Verhalten der Meerschweinchen

Sozialverhalten | Sprache | Verhaltensstörungen | Bissigkeit

Meerschweinchen verstehen lernen

Meerschweinchen wirklich zu verstehen, gelingt nur, wenn man ihre Bedürfnisse kennt und erfüllt. Denn Meerschweinchen sind hochsoziale Tiere und benötigen weit mehr als ein sauberes Gehege und ausreichend Futter.

Mit einer guten Beobachtungsgabe, viel Geduld – und den Informationen, die Du auf diesen Seiten findest – kannst auch Du Schritt für Schritt lernen, die Sprache Deiner Tiere besser zu verstehen.

  1. So sind wir
  2. Soziales und Charakter
  3. Verhaltensstörungen
  4. Bissige Meerschweinchen
  5. Richtiges Tragen
  6. Lautsprache
  7. Körpersprache
  8. Spiel & Popcorn
  9. Schlafverhalten
  10. Vertrauenssache/Zutraulichkeit

Wir Meerschweinchen – so sind wir

Ja, wie sind wir eigentlich? Zunächst einmal würde ich sagen: Wir gehören zu den friedlichsten Geschöpfen auf Gottes großer Erde. Wir tun keinem etwas zuleide – außer, ein anderer Bock will uns ein Weibchen streitig machen. Na, da könnt ja jeder kommen! Wir Männer können uns wegen so einer Schönheit schon mal prügeln … äh, beißen. Aber normalerweise beißen wir nur ins Futter. Höchstens, wenn man uns zu sehr ärgert, wird aus dem einen oder anderen von uns auch mal ein Wehrschweinchen.

Wir unterhalten uns übrigens gerne – mit jedem, der uns nicht zu nahe tritt. Was, ihr versteht uns nicht? Dann müsst ihr aber ganz schnell „Meerschweinisch“ lernen! Wir haben eine sehr differenzierte Sprache. Mit jedem unserer Artgenossen sprechen wir ein bisschen anders, und mit euch zweibeinigen Futterspendern sowieso. Doch wir reden nicht nur mit Lauten, sondern auch mit einer komplexen Körpersprache.


 

Gesellschaft ist (fast) alles

 

Kein Schwein ist gern allein – wir brauchen immer möglichst viele Meerschweinchenfreunde um uns herum. Wir sind sehr soziale und gesellige Tiere. Nur Böcke untereinander können aneinandergeraten, wenn zu wenig Platz vorhanden ist oder Weibchen in der Nähe sind.

👉 Darum unsere Bitte: Haltet uns niemals in Einzelhaltung!
Auch Kaninchen sind kein Ersatz. Sie sprechen eine ganz andere Sprache, und echte Freunde, die uns verstehen, können nur Artgenossen sein.

Zitat von Alexandra Kestler:
„Ach, mein Hase und mein Meeri kuscheln doch zusammen, also geht das doch super!“

Ihr müsst daran denken: Über 90 % aller Meeribabys werden mit Geschwistern geboren. Sie wachsen gemeinsam auf und lernen typisches Meerschweinchenverhalten von ihrer Mutter und dem Rudel. Werden sie später in Einzelhaltung gesteckt, fehlt ihnen diese Gesellschaft.

Stellt euch vor: Ihr werdet von Familie und Freunden getrennt, allein in ein kleines Zimmer gesperrt, und ab und zu kommt ein riesiger „Elefant“, der euch hochhebt und in einer fremden Sprache mit euch spricht. Dann bekommt ihr eine Kuh als Partner – die macht euch zwar nichts, aber sie ersetzt doch keine vertraute Gemeinschaft.

Manche Tiere fügen sich notgedrungen, andere werden krank vor Einsamkeit. Depression, Futterverweigerung oder sogar Selbstverstümmelung können die Folge sein.

Deshalb: Immer mindestens zu zweit halten – besser in einer Gruppe! Nur so fühlen wir uns wirklich wohl.

 

Unsere Sinne

  • Wir laufen in der Gruppe gerne im Gänsemarsch – das gibt uns Sicherheit.

  • Wir erkennen uns am Geruch – unsere Nasen sind sehr fein.

  • Wir haben sehr empfindliche Ohren und hören Töne, die Menschen nicht mehr wahrnehmen. Laute Geräusche mögen wir gar nicht.

  • Wir sehen besser zur Seite und nach vorne als Menschen, ohne den Kopf drehen zu müssen. Farben wie Rot, Gelb, Grün und Blau unterscheiden wir. Dafür können wir Entfernungen nicht so gut einschätzen.


 

Neugier und Vorsicht

 

So friedlich wir sind, wir sind auch wahnsinnig schreckhaft. Kommt jemand plötzlich von oben oder ohne Vorwarnung, verfallen wir oft in Schreckstarre. Das liegt daran, dass wir ständig auf Fressfeinde achten müssen: große Vögel, Katzen, Marder … Darum brauchen wir viele Verstecke im Gehege. Wenn wir merken, dass keine Gefahr droht, sind wir sofort wieder neugierig.


 

Unser Alltag

  • Wir brauchen viel Heu und fressen bis zu 100-mal am Tag – unser Verdauungssystem verlangt nach stetigem Nachschub.

  • Wir sind sehr reinlich und putzen uns regelmäßig. Nur die Langhaartypen unter uns brauchen etwas Hilfe von Menschen.

  • Dass wir unseren Blinddarmkot fressen, ist kein „ekliger Tick“, sondern lebensnotwendig. Darin stecken wichtige Bakterien und Nährstoffe – sozusagen unser Joghurt für die Darmgesundheit.

  • Wir sind klug, mögen Abwechslung und lernen auch kleine Kunststückchen.

  • „Verfressen“ sind wir nicht – wir sind Feinschmecker!


 

Umgang mit uns

 

Wir mögen unsere „Gurkengeber“ schon sehr, aber wir wollen nicht wie Kuscheltiere behandelt werden. Wir sind keine Spielpartner für Kinder. Hochheben und Rumtragen stresst uns, und wir zeigen deutlich, wenn wir nicht angefasst werden wollen – zum Beispiel, indem wir den Kopf hochschlagen. Bitte respektiert das!


 

Sportlich, aber keine Athleten

 

Wir hüpfen gerne mal auf unsere Häuschen, rennen durch Tunnel und flitzen blitzschnell los, wenn uns etwas aufschreckt. Hochleistungssport machen wir nicht – aber unterschätzen sollte man uns trotzdem nicht.


 

So, das war’s fürs Erste, was es über uns zu erzählen gibt. Wenn mir noch was einfällt, sag ich’s euch.

Euer Moppel Surprise 🐹

schweinchencharaktere  Cartoonartige Darstellung der verschiedenen Charaktere

Sozialverhalten und Charaktere unserer Meerschweinchen

Meerschweinchen sind Charakterschweinchen.
Ihre Persönlichkeiten sind so vielfältig wie bei Menschen oder anderen Tierarten. Manche Eigenschaften sind angeboren, andere entwickeln sich durch Erfahrungen und Haltungsbedingungen. Mit Geduld lassen sich manche unerwünschten Verhaltensweisen lindern – vollständig „aberziehen“ lässt sich der Charakter jedoch nicht.


 

Typische Charaktere und Verhaltensweisen

  • Agroschweinchen

  • Angstschweinchen

  • Dominanzschweinchen

  • Einzelgängerschweinchen

  • Frechschweinchen

  • Mut-/Mutschweinchen

  • Neugierschweinchen

  • Schüchternschweinchen

  • Wutschweinchen

  • Rangordnungsverhalten

  • Kuscheln (im Meerschweinchen-Sinn)

  • Verhaltensstörungen und Bissigkeit


 

Das „Agroschweinchen“

Aggressives Verhalten ist nicht angeboren, sondern erworben. Mögliche Ursachen:

  • falsches Handling → unsicheres Hochheben, Schmerzen beim Tragen → Abwehrreaktionen

  • zu kleine Käfige/Gehege → Dauerstress durch Platzmangel, keine Ausweichmöglichkeiten

  • falsche Gruppenzusammenstellung → zwei sehr dominante Tiere in direktem Konkurrenzkampf

  • Schmerzen oder Krankheiten → auch Tiere reagieren aggressiv, wenn sie leiden

  • psychische Belastung/Erkrankung → selten, aber möglich

👉 Wichtig: Aggressionen sind immer ein Warnsignal und erfordern Ursachenforschung. Tierärztliche Abklärung ist notwendig, wenn Schmerzen vermutet werden.


 

Das „Angstschweinchen“

Alle Meerschweinchen sind von Natur aus Fluchttiere. Sie reagieren mit:

  • Verstecken

  • Schreckstarre

  • Flucht

Angst ist instinktiv verankert – selbst bei Nachkommen zahmer Eltern. Dennoch kann man Vertrauen aufbauen, z. B. mit:

  • positiver Verknüpfung (Futterbelohnung)

  • Ruhe und Geduld

  • konsequent sanftem Umgang

👉 Manche Tiere bleiben trotz guter Haltung und Bemühungen scheuer. Negative Erfahrungen (z. B. Einzelhaltung, grobes Anfassen) verstärken Ängste und sind nur schwer wieder abzubauen.


 

Dominanzschweinchen („Domina/Domino“)

Dominanz bedeutet, andere zur Unterordnung zu bewegen. Dominante Tiere sind oft durchsetzungsstark und übernehmen Führungsrollen:

  • drängen sich schon im Wurf an die Milchbar

  • beeinflussen die Rangordnung stark

  • können Leittiere einer Gruppe sein

Probleme entstehen, wenn zwei gleich dominante Tiere aufeinandertreffen.

  • Bei Böckchengruppen: heftige Kämpfe → oft Trennung nötig

  • Bei Weibchen: eher Zickereien, selten ernsthafte Verletzungen

Dominanz ist nicht gleich Aggression, kann aber in Rangordnungskämpfen damit einhergehen.


 

Einzelgängerschweinchen („irgendwie anders“)

Manche Tiere wirken „anders“:

  • kommunizieren wenig oder unverständlich

  • sitzen isoliert

  • sind entweder permanent ängstlich oder aggressiv

  • werden Opfer oder Täter von Mobbing

Mögliche Ursachen:

  • Sinnesbehinderungen (selten, z. B. Taubheit, Blindheit)

  • geistige oder psychische Einschränkungen

  • fehlende Sozialisierung (zu frühe Trennung von Mutter, Einzelhaltung)

Manche lassen sich später behutsam sozialisieren, andere bleiben dauerhaft auffällig. In seltenen Fällen (z. B. alte Tiere nach lebenslanger Paarhaltung) ist Einzelhaltung die einzige Lösung – dann aber als Ausnahme, nicht als Regelfall.


 

Frech- und Neugierschweinchen

Diese Tiere sind vorne mit dabei, wenn es Neues zu entdecken gibt. Sie sind mutig, neugierig und manchmal übermütig – was auch dazu führen kann, dass sie im Eifer versehentlich in den Finger statt ins Futter beißen. Sie eignen sich oft als „Leittiere“, auch ohne stark dominant zu sein.


 

Schüchterne Meerschweinchen

Sie sind zurückhaltend, beobachten erst, bevor sie sich trauen. Mit vertrauter Umgebung und einem mutigen Partner gewinnen sie oft mehr Sicherheit. Schüchternheit ist kein Problem, sondern Teil des individuellen Charakters.


 

Rangordnung im Rudel

Meerschweinchen sind Rudeltiere – mindestens zwei Tiere sind Pflicht, besser mehr. Innerhalb jeder Gruppe entsteht eine Hierarchie.

  • Leittier = nicht unbedingt das älteste oder stärkste, sondern das mit der besten Durchsetzungskraft und Sozialkompetenz

  • Privilegien: z. B. zuerst ans Futter gehen

  • Unterordnung durch Gesten (Abwenden, Gähnen, Weglaufen)

  • Dominanz durch Gesten (Brommseln, Aufreiten, Sich groß machen, Kopf hochwerfen)

Rangordnungskämpfe:

  • Böcke: können heftig ausfallen, teils mit Verletzungen → ggf. Trennung nötig

  • Weibchen: meist „Gezicke“, selten ernsthafte Schäden

👉 Wichtig: Menschen sollten nicht eingreifen, sonst stören sie den Prozess und riskieren Bisse.


 

Kuschelschweinchen

„Kuscheln“ gehört nicht zu den typischen Verhaltensweisen. Nähe wird meist nur im Schutz- oder Angstkontext gesucht („Meerschweinchenhaufen“). Nebeneinanderliegen oder gemeinsames Sitzen im Häuschen ist hingegen normal.

Manche Tiere lassen sich mit der Zeit gerne streicheln oder genießen Kraulen – immer abhängig von Charakter, Gewöhnung und positiver Verknüpfung.

Eine Zusammenfassung:

 

Verhaltensstörungen bei Meerschweinchen

Es gibt vielfältige Ursachen für Verhaltensstörungen bei Tieren – insbesondere bei Meerschweinchen:

  • Falsches Handling: Unvorsichtiger Umgang löst Ängste aus. Diese können zu Abwehrreaktionen wie Bissigkeit oder starkem Zappeln führen, weil sich das Tier in den Händen des Menschen nicht sicher fühlt. Auch Angstschreie gehören dazu.

  • Zu frühe Trennung von der Mutter und der Familie: Insbesondere wenn kein erwachsenes Tier die Erzieherrolle übernehmen kann, kann dies zu dissozialen Verhaltensweisen führen.

  • Einzelhaltung: Auch dies ist ein häufiger Auslöser für Verhaltensstörungen. Ein Meerschweinchen, das zeitlebens ohne Artgenossen war, wird nur schwer mit einem anderen Meerschweinchen zu vergesellschaften sein. Es hat nie gelernt, wie es sich sozial verhalten muss, und bleibt dadurch dissozial.

  • Behinderungen: Auch bei Tieren gibt es Fälle von geistigen oder psychischen Einschränkungen. Solche Tiere verhalten sich „anders“, zeigen möglicherweise Aggressionen gegenüber Artgenossen und/oder Menschen und kommunizieren fehlerhaft.

  • Taubblinde Tiere: Meerschweinchen, die sowohl hör- als auch sehbehindert sind, können nicht in der üblichen Weise kommunizieren. Solche Beeinträchtigungen können deshalb auch zum Ausschluss aus der Gruppe führen.

  • Zu enge Käfige / Überbesatz: Wenn zu viele Tiere auf zu engem Raum zusammenleben, kommt es zwangsläufig zu Stress und Konflikten.

  • Falsche Gruppenzusammenstellung: Unpassende Charakterkonstellationen können zu Dauerstress führen.

  • Krankheiten oder Schmerzen: Auch gesundheitliche Probleme können auffälliges oder aggressives Verhalten hervorrufen.

 

Bissigkeit bei Meerschweinchen

Meerschweinchen mit Biss

 

Beissen Meerschweinchen oder können sie bissig werden?

Grundsätzlich sollte man wissen: Beißen und Zwicken gehören innerhalb einer Meerschweinchengruppe zum normalen Verhalten. Solange es sich nur um kurze Signale wie „Lass mich in Ruhe!“ oder „Verschwinde von hier!“ handelt, besteht kein Grund zur Sorge.

Solche kleinen „Zickereien“ sind auch unter Weibchen an der Tagesordnung und meistens völlig harmlos – solange nicht versehentlich ein Ohr eingerissen oder ein Auge verletzt wird. In der Regel schützt das dichte Fell die Haut, und kleinere Kratzer oder oberflächliche Wunden verheilen schnell.

Anders sieht es bei ernsthaften Kämpfen unter Böcken aus. Hier kann es schnell zu massiven Verletzungen kommen. Solche Auseinandersetzungen entstehen besonders in reinen Bockgruppen, wenn ein unverträglicher Bock dabei ist. In diesen Fällen ist ein Eingreifen nötig, um Schlimmeres zu verhindern. Oft müssen die Tiere getrennt und anschließend einem Tierarzt vorgestellt werden.

In freier Natur regelt sich ein solcher Kampf meist durch die Flucht des Unterlegenen. Im Käfig oder Gehege fehlt jedoch die Möglichkeit auszuweichen.

⚠️ Wichtig: Niemals ohne dicke Lederhandschuhe dazwischengehen! In der Hitze des Gefechts kennen die Kämpfer keinen Unterschied zwischen Menschenhand und Gegner.
Ein dokumentierter Fall: Einer Besitzerin wurde bei solch einem Eingriff der Nerv im Finger durchgebissen – mit bleibendem Schaden.


 

Wie entsteht Bissigkeit bei Meerschweinchen?

Dauerhafte Bissigkeit gilt als Verhaltensstörung. Häufige Ursachen:

  • Einzelhaltung: Ein Meerschweinchen ohne Artgenossen sucht Ersatzkontakte – oft beim Menschen oder bei artfremden Tieren wie Kaninchen. Es zeigt dann meerschweinchentypisches Verhalten gegenüber dem „falschen Partner“. Abhilfe schafft die Vergesellschaftung mit einem Artgenossen sowie gezieltes Verhaltenstraining.

  • Falscher Umgang: Wird ein Meerschweinchen falsch hochgenommen oder gegen seinen Willen festgehalten, fühlt es sich bedroht. Selbst das friedlichste Tier kann dann zubeißen, um sich zu befreien. Lässt man es sofort los, hat es „Erfolg“ und wird dieses Verhalten wiederholen.

  • Jungtiere und Knabberversuche: Junge Meerschweinchen knabbern gerne an Fingern – vermutlich aus Neugier. Anfangs finden Menschen das putzig, bis es ernst wird und das Tier einmal kräftig zubeißt.

  • Unklare Ursachen: Manche Tiere wirken ohne erkennbare Gründe bissig. Hier helfen nur Geduld, ein ruhiger Umgang und Training.


 

Werden Meerschweinchen auch Menschen gegenüber bissig?

In der Regel sind Meerschweinchen friedliche Tiere. Aber: Falsches Handling, Stress oder Missverständnisse können dazu führen, dass sie auch Menschen beißen. Dabei ist nicht das gierige Verwechseln von Finger und Gurke gemeint – das passiert schon mal, ist aber kein aggressives Verhalten.


 

Erste Hilfe bei Bissverletzungen

Wenn die Haut mehr als oberflächlich verletzt wurde, gilt:

  1. Wunde gut ausbluten lassen und mit klarem, kaltem Wasser spülen

  2. Gründlich desinfizieren (z. B. mit Braunol oder Betaisodona)

  3. Antiseptische Salbe auftragen, sterilen Verband anlegen

  4. Unbedingt ärztliche Abklärung! Auch kleine Wunden können sich massiv entzünden. Am Wochenende oder nachts direkt in die Notaufnahme.

  5. Den Anweisungen des Arztes folgen, auch wenn ein Antibiotikum verordnet wird.


 

Warum ist das so wichtig?

Tierbisse können gefährliche Infektionen verursachen – auch durch Bakterien, die auf der Mundschleimhaut von Meerschweinchen völlig normal vorkommen. Werden diese nicht rechtzeitig behandelt, drohen schwere Entzündungen, dauerhafte Nervenschäden oder im schlimmsten Fall Blutvergiftungen.

Ein Erfahrungsbericht:
Beim Kämmen eines Langhaarmeerschweinchens ignorierte die Besitzerin die Warnsignale (Zähneklappern). Das Tier biss zu. Sie behandelte die Wunde zunächst selbst – ging aber nicht sofort zum Arzt. Innerhalb weniger Stunden schwoll die Hand stark an, es kam zu massiven Schmerzen und einer schweren Infektion, die chirurgisch behandelt werden musste.

hand meerschweinchenbiss

👉 Die Moral: Warnsignale ernst nehmen und bei Bissverletzungen IMMER sofort ärztliche Hilfe suchen.

 

Richtiges Halten

Wie halte und trage ich ein Meerschweinchen richtig?

 

Vertrauen zwischen Mensch und Meerschweinchen

Wenn man erreichen möchte, dass ein Meerschweinchen Vertrauen gewinnt, muss man ihm Sicherheit geben.

Da Meerschweinchen Fluchttiere sind, haben sie zunächst Angst vor allem, was sich bewegt und ihnen zu nahekommt. Diese Angst legen sie erst ab, wenn sie bestimmte Dinge kennenlernen und verstehen, dass keine Gefahr besteht.

Bestimmte Grundängste bleiben jedoch – sie sind tief verankert. Dazu gehört zum Beispiel die Angst vor Raubvögeln. Alles, was sich von oben nähert, bedeutet für ein Meerschweinchen Gefahr. Deshalb sollte man ein Tier niemals von oben greifen – das löst sofort Panik aus. Nähern Sie sich stattdessen langsam von vorn oder von der Seite und sprechen Sie ruhig mit dem Tier.


Richtiges Hochnehmen

Wenn Sie Ihr Meerschweinchen hochheben möchten, benutzen Sie immer beide Hände.
Meerschweinchen mögen es nicht, „durch die Luft zu schweben“ – für sie fühlt es sich so an, als würde ein Greifvogel sie packen.

Tabu: Niemals im Genick packen! Das verursacht Schmerzen und Zerrungen. Außerdem tragen Meerschweinchenmütter ihre Jungen auch nicht im Maul – sie sind Nestflüchter und können von der ersten Minute an selbst laufen.

So geht’s richtig:

  • eine Hand unter den Vorderbeinchen am Brustkorb

  • die andere stützt das Hinterteil (dieses sollte nie höher sein als der Kopf)

  • das Tier sicher, aber nicht zu fest halten

Meerschweinchen können schnell in Panik geraten und vom Arm springen – Verletzungsgefahr!


 

Kinder und Meerschweinchen

Wenn kleinere Kinder im Haushalt sind, sollte das Hochnehmen immer von Erwachsenen übernommen werden. Eltern sind gefordert, ihre Kinder richtig anzuleiten – zum Schutz der Tiere.


 

Vertrauen aufbauen

Anfangs wird das Schweinchen vielleicht Angst haben. Diese verliert es, wenn es merkt: Ruhiges Verhalten wird belohnt – z. B. mit einem Leckerbissen wie Gurke oder Löwenzahn.

Auch beim Absetzen ist Vorsicht geboten, damit es nicht von der Hand springt. Gerade zu Beginn wollen die meisten Tiere so schnell wie möglich zurück in ihr Häuschen.

Am besten setzen Sie sich beim Streicheln ruhig hin und nehmen das Schweinchen auf den Schoß – ein dick gefaltetes Handtuch darunter schützt Kleidung und Tier. Bleiben Sie stets aufmerksam, falls es plötzlich losflitzen möchte.

Mit der Zeit wird es Vertrauen fassen. Irgendwann können Sie entspannt mit dem Meerschweinchen auf dem Schoß fernsehen – und wenn Sie merken, dass es nach einer Weile selbst eingeschlafen ist, dann wissen Sie: Ihr Schweinchen vertraut Ihnen wirklich. 🐹💚


Meerschweinchen wird richtig gehalten

Meerschweinchen wird richtig gehalten

 

Meerschweinisch-Menschlich
Menschlich-Meerschweinisch

Do you speak meerschweinisch???

Meerschweinchen haben eine sehr komplexe Laut- und Körpersprache. Sie "reden" nicht nur gerne und viel, sondern tatsächlich sehr differenziert.
Quieken, Murmeln, Glucksen, Zwitschern, Gurren,  und das auch noch in verschiedenen Tonlagen. Das zu beobachten ist höchst interessant und nach einiger Zeit kann man die Laute vielleicht auch richtig interpretieren. 

Lautsprache der Meerschweinchen

 

LautBedeutung
Fiepen / Quieken Betteln nach Futter, Aufmerksamkeit oder Kontaktaufnahme
Lautes Quieken / Kreischen Angst, Schmerz oder Schreck
Brommseln (tiefer Brummton) Balzruf, Dominanz, Imponiergehabe
Zwitschern (selten, vogelähnlich) Warnung bei Gefahr, großer Stress
Murren / Knurren Unzufriedenheit, Warnung, genervt
Zähneklappern Drohung, „Geh weg!“
Brummen (sanft, leise) Wohlbefinden, oft beim Streicheln
Leises Fiepen (untereinander) Kontaktlaute in der Gruppe
Pfeifen (langgezogen, schrill) Futterruf („He, da kommt was Leckeres!“)
Quasseln / Murmeln Zufriedenheit, „leises Erzählen“ beim Herumstreifen
 

Spielen Meerschweinchen eigentlich?

Ein im menschlichen Sinne vergleichbares Spielverhalten, wie wir es von anderen Säugetierarten kennen, konnte ich bei meinen Meerschweinchen noch nie beobachten. Die Anschaffung von handelsüblichen „Spielzeugen“ ist daher meist sinnlos – Meerschweinchen zeigen daran in der Regel kein Interesse.
Trotzdem scheinen sie ihren Spaß zu haben, zum Beispiel wenn zwei Tiere gemeinsam auf einem großen Haufen Gras sitzen und dabei an ein und demselben Grashalm knabbern, bis nichts mehr übrig ist.

Bei jungen Meerschweinchen kann man dagegen durchaus eine Art Spielverhalten beobachten. Sie sind übermütig, voller Energie und rennen oder springen vor lauter Lebenslust durch das Gehege. Dabei zeigt sich oft das sogenannte Popcornen: ein plötzliches, ruckartiges Hochspringen mit allen vier Pfoten gleichzeitig, das manchmal fast wie ein Zucken wirkt.
Auch das spielerische Üben von Rangordnungsritualen gehört zum Verhalten junger Meerschweinchen.


Wenn sie nicht spielen – wie beschäftigen sie sich dann?

Auch wenn klassisches Spielen nicht ihr Ding ist, brauchen Meerschweinchen Beschäftigungsmöglichkeiten. Sinnvolle Angebote sind zum Beispiel:

  • Zweige als Nagematerial

  • Futter-Spieße oder Heukugeln, bei denen die Tiere sich das Futter erarbeiten müssen

  • Clickertraining oder Meerschweinchen-Agility, das sowohl Mensch als auch Tier Freude bereiten kann

  • Tunnel und Röhren, die zum Durchflitzen und Verstecken einladen

  • Möglichst große, abwechslungsreich gestaltete Gehege, die erkundet werden können. Wenn man beim Reinigen die Einrichtung etwas umstellt, sorgt das zusätzlich für Abwechslung


Wie viel Schlaf brauchen Meerschweinchen?

 

Meerschweinchen sind zwar überwiegend tagaktiv, haben ihre Hauptaktivität jedoch in den Dämmerungsstunden am Morgen sowie am späten Nachmittag. Dazwischen – ebenso wie in der Nacht – wechseln sich Ruhe-, Schlaf- und Wachphasen ab.

In den Ruhephasen dösen sie meist nur vor sich hin, reagieren aber blitzschnell, wenn sie aufgeschreckt werden. Wenn sie tatsächlich schlafen, dann richtig tief. Besonders ältere Tiere, die möglicherweise nicht mehr so gut hören, können in einen sehr festen Schlaf fallen – manchmal so tief, dass es für den Menschen fast erschreckend wirkt. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass sie sich in ihrem Gehege absolut sicher fühlen.

Zum Schlafen legen sie sich gerne unter einen Unterstand oder in ein Häuschen. Dort fühlen sie sich geschützt.

Wichtig: Schlafende Meerschweinchen sollten nicht gestört werden – das würde Stress verursachen!

Freunde fürs Leben?

Wie werden Meerschweinchen zutraulich? Vertrauen ist die Basis!

 

Wenn wir einen neuen Menschen kennenlernen, spielen verschiedene Faktoren eine Rolle, bevor wir ihn in unser Leben lassen und uns vielleicht sogar dafür entscheiden, ihn als Freund zu akzeptieren.
So verhält es sich auch mit unseren tierischen Partnern und Freunden. Es reicht nicht, wenn „die Chemie stimmt“. Vertrauen – und damit die Basis einer guten Freundschaft – muss man sich erarbeiten. Egal ob Hund, Katze, Maus oder Meerschweinchen: Vertrauen aufzubauen ist das A und O! Dazu muss man die Grundeigenschaften der Tierart kennen und respektieren.

Meerschweinchen sind Fluchttiere. Mit ihren ausgeprägten Fluchtinstinkten werden alle Meerschweinchen geboren.

Wenn wir also Meerschweinchen zu uns holen, haben sie in der Regel zunächst Ängste – unabhängig davon, welche Charaktereigenschaften sie sonst noch mitbringen.

Der Transport, die neue Umgebung, bei Jungtieren die Trennung von der Mutter oder der Familie, eventuell ein neues Rudel: All das bedeutet Stress. Sie brauchen vor allem eines – Zeit. Zeit, um sich zurechtzufinden, das neue Rudel kennenzulernen und sich in die Gruppe einzuordnen. Zeit, um sich zu akklimatisieren – ein nicht zu unterschätzender Faktor. Diese Zeit muss man ihnen unbedingt geben, bevor man überhaupt damit beginnen kann, Vertrauen aufzubauen.

Mit Zwang erreicht man gar nichts – im Gegenteil! Einfaches Einfangen und Herausnehmen aus dem Gehege bewirkt nur das Gegenteil. Wovor haben Meerschweinchen in der Natur am meisten Angst? Vor Fressfeinden! Wenn Hände schnell von oben nach dem Tier greifen, empfindet es das instinktiv als Angriff – und ergreift panisch die Flucht.

 

Schritt 1: Geduld, Ruhe und Futter

Liebe geht durch den Meerschweinchenmagen! Wer Vertrauen aufbauen will, muss den Tieren zeigen, dass von der Hand keine Gefahr ausgeht.
Am besten setzt man sich ruhig vor oder – wenn möglich – direkt ins Gehege, hält ein besonders beliebtes Futter (z. B. Gurke, Gras, Löwenzahn, Salat) in der Hand, verhält sich still und wartet.
Nicht enttäuscht sein, wenn es nicht gleich klappt. Es kann Tage oder sogar Wochen dauern, bis die Tiere vorsichtig aus ihrem Versteck kommen und sich annähern. Wichtig: keine hektischen Bewegungen! Einfach ruhig sitzen bleiben und fressen lassen.
Wenn die Meerschweinchen irgendwann freudig quiekend aus ihrem Versteck kommen, sobald man sich dem Gehege nähert, ist das Eis gebrochen.

 

Schritt 2: Erste Annäherung

Wenn die Tiere bereits vertrauensvoll zum Futter in der Hand kommen, kann man einen Schritt weitergehen: Sie vorsichtig aus dem Gehege nehmen und auf den Schoß setzen – immer in Verbindung mit Futter, damit die Situation positiv verknüpft wird.

 

Schritt 3: Die Hand als Vertrauensbasis

Die flache Hand mit der Innenfläche nach oben ins Gehege legen. Mit Lieblingsfutter locken. Sobald das Meerschweinchen auf die Hand klettert, die Hand ein klein wenig anheben. Erst nur minimal, dann etwas mehr. Natürlich immer belohnen.
Tägliches Wiederholen festigt das Vertrauen – bis das Tier irgendwann freiwillig auf die Hand springt.

 

⚠️ Bitte bedenken: Dies funktioniert nur mit charakterfesten, nicht traumatisierten Tieren. Meerschweinchen aus unklarer Herkunft (z. B. Zooläden), schlechter Haltung (Animal Hoarding) oder mit Misshandlungserfahrungen sind oft nicht mehr in der Lage, ihre Ängste vollständig zu überwinden.
In solchen Fällen ist – wie in Schritt 1 beschrieben – das Fressen aus der Hand bereits ein großer Vertrauensbeweis und meist das höchste erreichbare Ziel.