Vertrauen aufbauen: So gelingt der Umgang mit Meerschweinchen

Für eine gute Mensch - Meerschweinchen Beziehung

Freunde fürs Leben?frau haelt meerschweinchen

Wie werden Meerschweinchen zutraulich? Vertrauen ist die Basis!

 

Wenn wir einen neuen Menschen kennenlernen, spielen viele Faktoren eine Rolle, bevor wir ihn in unser Leben lassen und ihn vielleicht sogar als Freund akzeptieren. Ähnlich verhält es sich mit unseren tierischen Begleitern. Vertrauen – und damit die Grundlage einer guten Freundschaft – muss man sich erarbeiten.

Egal ob Hund, Katze, Maus oder Meerschweinchen: Vertrauen aufbauen ist das A und O! Dazu gehört, die Grundeigenschaften der Tierart zu kennen und zu respektieren.

Meerschweinchen sind Fluchttiere. Mit einem ausgeprägten Fluchtinstinkt geboren, reagieren sie auf neue Situationen zunächst ängstlich.


 

Erste Phase: Eingewöhnung

 

Wenn Meerschweinchen in ein neues Zuhause kommen, bedeutet das für sie Stress:

  • Transport

  • unbekannte Umgebung

  • bei Jungtieren die Trennung von Mutter und Geschwistern

  • eventuell ein neues Rudel

Die Tiere brauchen daher Zeit, um sich zu orientieren, ihre Gruppe kennenzulernen und sich einzugewöhnen. Diese Eingewöhnungszeit darf nicht unterschätzt werden – erst danach kann man langsam beginnen, Vertrauen aufzubauen.


 

Was man vermeiden sollte

 

Mit Gewalt erreicht man gar nichts. Ein Meerschweinchen „einfach zu greifen“ und aus dem Gehege zu nehmen, wirkt aus seiner Sicht wie ein Raubtierangriff von oben. Das Tier empfindet Panik und Stress, was das Vertrauen massiv erschüttert.


 

Schritt-für-Schritt Vertrauen aufbauen

 

Schritt 1: Geduld, Ruhe und Futter
Liebe geht durch den Magen – auch bei Meerschweinchen.

  • Ruhig vor (oder wenn möglich in) das Gehege setzen.

  • Lieblingsfutter (z. B. Gurke, Gras, Löwenzahn, Salat) in die Hand nehmen.

  • Abwarten, ohne hektische Bewegungen.

Es kann Tage oder sogar Wochen dauern, bis die Tiere Vertrauen fassen. Sobald sie neugierig und ohne Angst zum Futter kommen, ist ein erster Meilenstein erreicht.

Schritt 2: Positive Verknüpfung mit dem Hochnehmen
Kommen die Tiere zuverlässig zur Hand, können sie vorsichtig hochgenommen und auf den Schoß gesetzt werden – immer in Verbindung mit Futter. So lernen sie, dass auch diese Situation positiv besetzt ist.

Schritt 3: Auf die Hand steigen
Die Hand flach ins Gehege legen, Handinnenfläche nach oben, Lieblingsfutter auf die Hand legen.

  • Kommt das Tier auf die Hand, diese leicht anheben.

  • Zunächst nur minimal, dann langsam steigern.

  • Nach jedem Schritt belohnen und täglich wiederholen.

Mit Geduld springen viele Meerschweinchen bald freiwillig auf die Hand.


 

Grenzen des Vertrauens

 

Nicht jedes Tier wird gleich zutraulich. Besonders Meerschweinchen aus unklarer Herkunft (Zoohandel, Animal Hoarding) oder mit negativer Vorgeschichte (Misshandlung, Vernachlässigung) sind oft traumatisiert.

Bei ihnen ist das Fressen aus der Hand häufig schon das Maximum an Vertrauen. Mehr sollte nicht erzwungen werden – entscheidend ist, die individuellen Grenzen des Tieres zu respektieren.


 

Hinweis: Jede Annäherung sollte behutsam, geduldig und freiwillig erfolgen. Vertrauen kann wachsen – muss aber nicht in jedem Fall. Tiere sind Individuen, und ihr Verhalten kann sich unterschiedlich entwickeln.

Wie halte und trage ich ein Meerschweinchen richtig?

Wer möchte, dass ein Meerschweinchen Vertrauen gewinnt, muss ihm vor allem Sicherheit geben. Meerschweinchen sind Fluchttiere – sie fürchten sich zunächst vor allem, was sich bewegt oder zu nahe kommt. Diese Scheu legt sich teilweise mit der Zeit, wenn sie lernen, dass von bestimmten Situationen keine Gefahr ausgeht. Einige Grundängste bleiben jedoch bestehen, da sie tief im Instinkt verankert sind. Dazu gehört die Angst vor Raubvögeln: Alles, was sich von oben nähert, bedeutet Gefahr.

👉 Daher gilt: Ein Meerschweinchen niemals von oben greifen – das löst Panik aus. Nähern Sie sich langsam von vorne oder von der Seite und sprechen Sie dabei ruhig mit dem Tier.


 

Richtiges Hochnehmen

  • Immer beide Hände benutzen:

    • Eine Hand stützt den Brustkorb von unten (vor den Vorderbeinchen).

    • Die andere Hand unterstützt das Hinterteil.

  • Das Hinterteil sollte nie höher als der Kopf gehalten werden.

  • Nie im Genick packen! → Dies kann Verletzungen und starke Schmerzen verursachen. Meerschweinchenmütter tragen ihre Babys auch nicht – sie sind Nestflüchter und können von Geburt an selbst laufen.

  • Meerschweinchen können sich heftig winden oder plötzlich losspringen. Deshalb das Tier sicher, aber nicht zu fest halten.


 

Sicherheit bei Kindern

Meerschweinchen sind sehr verletzungsanfällig.

  • Kleine Kinder sollten die Tiere nicht alleine hochheben.

  • Eltern sind in der Pflicht, ihre Kinder anzuleiten und beim Umgang mit den Tieren immer zu helfen.

  • Viele Unfälle (Stürze, Quetschungen) passieren durch Unachtsamkeit beim Hochheben.


 

Absetzen

Beim Zurücksetzen ins Gehege besteht die größte Gefahr, dass das Tier vorschnell losspringt.

  • Immer nah am Boden absetzen.

  • Sanft die Hand lösen, damit es nicht stürzt.
    Gerade am Anfang wollen die meisten Meerschweinchen so schnell wie möglich zurück in ihre sichere Umgebung.


 

Ruhige Kuschelzeit

Wer sein Meerschweinchen streicheln möchte, sollte sich ruhig hinsetzen.

  • Ein dickes Handtuch auf dem Schoß sorgt für Sicherheit und schützt vor „Pfützen“.

  • Immer mit der Hand sichern, falls das Tier plötzlich losrennt.

  • Belohnungen (z. B. ein Stück Gurke) helfen, die Situation positiv zu verknüpfen.

Wenn das Tier einmal Vertrauen gefasst hat, bleibt es oft freiwillig sitzen. Manche Halter berichten sogar, dass ihre Meerschweinchen beim gemeinsamen Fernsehabend auf dem Schoß einschlafen.


 

Hinweis: Nicht jedes Meerschweinchen wird gleich zutraulich. Manche bleiben ihr Leben lang vorsichtig oder scheu. Das wichtigste ist, die individuellen Grenzen des Tieres zu respektieren und ihm stets Sicherheit zu geben.

 

Meerschweinchen wird mit den Händen gehaltenMeerschweinchen wird mit den Händen gehalten