Genetik der Meerschweinchen

Grundlagen | Rassegenetik | Farbgenetik

Die Genetik der Meerschweinchen - möglichst einfach und verständlich erklärt. Genetik ist ein sehr komplexes Wissensgebiet. Nicht umsonst dauert ein genetiknahes Studium, wie z.B. Molekularbiologie, mindestens 6 Jahre. Wenn wir hier von Genetik sprechen, muss man aber kein Molkularbiolog*in sein. Es geht um Genetik in der Zuchtarbeit, die so vereinfacht dargestellt wird, dass auch Genetiklaien Vorgänge von Rassevererbung, Fellvarianten und Farbschlägen verstehen lernen können.

Wir unterscheiden zunächst zwischen Rassegenetik und Farbgenetik,  die in ihrer Vererbung aber grundsätzlich der Vererbungslehre nach Mendel unterliegen. In der Rassezucht sollte nichts dem Zufall überlassen bleiben und dazu sind nunmal zumindest rudimetäre Kenntnisse der genetischen Faktoren nötig, die ich hier zu vermitteln versuche. Um die Fachausdrücke richtig verstehen zu können braucht man zunächst die Grundbegriffe der Genetik. 

 

  1. Grundlagen Mendel
  2. Grundbegriffe
  3. Farbgenetik
  4. Rassegenetik

Die Mendelschen Regeln

 

Vererbung nach Mendel

 

Die mendelschen Regeln sind ein praktisches Ordnungssystem für einfache Erbgänge. Sie erklären, warum bestimmte Merkmale in einer Verpaarung zuverlässig auftreten – und warum andere zunächst „verschwinden“, obwohl sie genetisch vorhanden sind.

1. Uniformitätsregel

Nimmt man zwei reinerbige (homozygote) Eltern der P-Generation, die sich nur an einem Genort unterscheiden (also in einem Allelpaar), dann haben alle Nachkommen der F1-Generation denselben genetischen Aufbau an diesem Genort: Sie sind untereinander einheitlich.

Merksatz: P reinerbig + Unterschied in einem Allelpaar → F1 sieht einheitlich aus.


 

P reinerbig schwarzes Meerschweinchen
aa BB CC EE PP rnrn SS

P reinerbig rotes Meerschweinchen

aa BB CC ee PP rnrn SS

F 1 schwarze Meerschweinchen 

aa BB CC Ee PP rnrn SS

 

2. Spaltungsregel

Werden Tiere aus der F1-Generation untereinander verpaart, dann zeigt die F2-Generation wieder eine Aufteilung der Merkmalsausprägungen. Das passiert, weil sich die Allele bei der Bildung der Keimzellen trennen und in neuer Kombination zusammenkommen.

Bei einem klassischen dominant–rezessiven Erbgang ergibt sich typischerweise:

  • Genotypisch: 1 : 2 : 1
    (¼ reinerbig dominant, ½ mischerbig, ¼ reinerbig rezessiv)

  • Phänotypisch: 3 : 1
    (¾ zeigen das dominante Merkmal, ¼ das rezessive)

Merksatz: F1 wirkt einheitlich – F2 „spaltet“ wieder auf.


 

 F 1 schwarze Meerschweinchen 

aa BB CC Ee PP rnrn SS 

 F 1 schwarze Meerschweinchen 

aa BB CC Ee PP rnrn SS 

statistisch 3 x schwarz davon

1x aa BB CC EE PP rnrn SS

2x aa BB CC Ee PP rnrn SS

1x rot

aa BB CC ee PP rnrn SS

 

3. Unabhängigkeitsregel (Neukombinationsregel)

 

Betrachtet man zwei Merkmale gleichzeitig, dann gilt bei reinerbigen Ausgangstieren: Die Allele der verschiedenen Genorte werden bei der Keimzellbildung in vielen Fällen unabhängig voneinander verteilt. Dadurch entstehen in der F2-Generation neue Kombinationen von Merkmalen, die in der P-Generation so gar nicht vorkamen.

Für zwei unabhängig vererbte Merkmale mit dominant–rezessivem Erbgang ergibt sich als klassisches Verhältnis:

  • Phänotypisch: 9 : 3 : 3 : 1

Wichtig: Diese Regel gilt vor allem dann, wenn die betreffenden Gene nicht eng gekoppelt sind (also nicht so nahe beieinander liegen, dass sie meist gemeinsam vererbt werden).

Merksatz: Wenn zwei Genorte unabhängig sind, mischt die F2 die Kombinationen neu.


 

P reinerbig schwarzes Meerschweinchen

aa BB CC EE PP rnrn SS

P reinerbig goldenes Meerschweinchen

aa bb CC ee PP rnrn SS

F 1 schwarze Meerschweinchen 

aa BB CC Ee PP rnrn SS

 F 1 schwarze Meerschweinchen 

aa BB CC Ee PP rnrn SS

F 1 schwarze Meerschweinchen 

aa BB CC Ee PP rnrn SS 

F2 Mögliche Nachkommen (statistisch)Beispiel: 16 Nachkommendavon:9x schwarz

3x rot

3x schoko

1x gold  

 

Grundbegriffe der Genetik

 

Was bedeutet „Genetik“?

Genetik beschreibt, wie Eigenschaften von Eltern an Nachkommen weitergegeben werden. Die Erbinformation liegt in den Zellen – genauer: im Zellkern. Dort befindet sich das Material, das die biologischen „Anleitungen“ enthält.

 

Chromosomen

Chromosomen sind fadenförmige Strukturen im Zellkern. Unter dem Mikroskop sieht man sie besonders deutlich, wenn sich eine Zelle teilt. Auf den Chromosomen ist die Erbinformation organisiert – sie tragen also viele Gene in geordneter Form.

Viele Säugetiere (auch Meerschweinchen) besitzen einen doppelten Chromosomensatz (diploid). Das bedeutet: Chromosomen liegen in Paaren vor – eines stammt von der Mutter, eines vom Vater.

 

Wie viele Chromosomen hat ein Meerschweinchen?

Meerschweinchen haben in ihren Körperzellen 64 Chromosomen, also 32 Chromosomenpaare. Ein Chromosomenpaar davon sind die Geschlechtschromosomen, die das Geschlecht mitbestimmen.

 

Was passiert bei zu vielen oder zu wenigen Chromosomen?

Wenn Chromosomen fehlen oder zusätzlich vorhanden sind, hat das meist Auswirkungen – entweder auf die Entwicklung, auf körperliche Merkmale oder auf die Vitalität. Solche Veränderungen betreffen nicht nur „ein einzelnes Merkmal“, sondern können ganze Abläufe im Körper beeinflussen.

 

Gene, DNA und Proteine

 

Was ist ein Gen?

Ein Gen ist ein Abschnitt auf einem Chromosom. Vereinfacht gesagt enthält ein Gen eine „Bauanleitung“ – meist für ein Protein. Proteine übernehmen in Zellen sehr viele Aufgaben: Sie wirken als Baustoffe, Enzyme, Transporter oder Signalstoffe. Dadurch prägen sie indirekt auch Eigenschaften wie zum Beispiel Fellfarbe, Haarstruktur oder Stoffwechsel.

Nicht jedes Merkmal hängt nur von einem Gen ab – viele Merkmale entstehen durch das Zusammenspiel mehrerer Gene.

 

Was ist DNA?

DNA (Desoxyribonukleinsäure) ist das Molekül, aus dem die Erbinformation besteht. Gene sind Abschnitte der DNA, und Chromosomen sind die stark geordnete „Verpackungsform“ dieser DNA im Zellkern.

 

Dominant, rezessiv, Allele

 

Allele – zwei Varianten pro Genort

Von den meisten Genorten besitzt ein Tier zwei Ausprägungen (Allele): eine von der Mutter, eine vom Vater.

  • Sind beide Allele gleich, nennt man das homozygot (reinerbig).

  • Sind sie verschieden, nennt man das heterozygot (mischerbig).

 

Dominant und rezessiv

 

Bei manchen Merkmalen reicht eine bestimmte Allelvariante, damit sie im Erscheinungsbild „den Ton angibt“. Man spricht dann von dominant. Eine rezessive Variante zeigt sich häufig erst, wenn sie zweifach vorliegt.

Die Schreibweise ist oft:

  • dominant = Großbuchstabe

  • rezessiv = Kleinbuchstabe

Wichtig: „Rezessiv“ bedeutet nicht „verschwindet“. Es kann in einem Tier vorhanden sein, ohne sichtbar zu sein – und in späteren Generationen wieder auftreten, wenn passende Allele zusammenkommen.

 

Wie wird das Geschlecht festgelegt?

 

Das Geschlecht entsteht bei der Befruchtung:

  • Eizellen tragen beim Säugetier in der Regel immer ein X-Chromosom.

  • Spermien tragen X oder Y.

Daraus ergeben sich:

  • XX → weiblich

  • XY → männlich

Stammbäume: Was lässt sich daraus ableiten?

 

Stammbäume zeigen Abstammung und – sofern dokumentiert – auch Hinweise darauf, welche Anlagen (z. B. Farb- oder Haaranlagen) in einer Linie vorkommen können. Das ist vor allem dann nützlich, wenn man nachvollziehen möchte, welche Merkmale „verdeckt“ getragen werden könnten. Für reine Liebhaberhaltung ist das meist weniger relevant.

 

Mutationen

 

Eine Mutation ist eine Veränderung im Erbmaterial (DNA). Sie kann zufällig entstehen.

  • Passiert sie in Körperzellen, betrifft sie in der Regel nur das einzelne Tier.

  • Entsteht sie in Zellen, aus denen Ei- oder Samenzellen entstehen, kann sie vererbt werden.

Mutationen sind auch ein Grund dafür, warum im Lauf der Zeit neue Varianten entstehen – sowohl bei Merkmalen als auch bei Erkrankungen.

Genmutation

Eine Veränderung, die ein einzelnes Gen betrifft (z. B. eine kleine Änderung in der DNA-Sequenz). Das kann – je nachdem – ohne Folgen bleiben oder bestimmte Merkmale bzw. Krankheiten begünstigen.

Chromosomenmutation

Hier ist die Veränderung so groß, dass sie ein Chromosom oder größere Abschnitte davon betrifft (z. B. Stücke fehlen, sind verdoppelt oder umgelagert). Das hat oft deutlichere Auswirkungen.

 

Intermediärer Erbgang (unvollständige Dominanz)

 

Manchmal setzt sich nicht „entweder-oder“ durch, sondern die Merkmalsausprägung liegt zwischen zwei Varianten. Man spricht dann von einem intermediären Erbgang. In solchen Fällen kann ein „Misch-Erscheinungsbild“ entstehen, das nicht einfach in „dominant“ und „rezessiv“ einzuordnen ist.

 

Genotyp und Phänotyp

  • Genotyp: die Gesamtheit der genetischen Anlagen eines Tieres.

  • Phänotyp: das sichtbare Erscheinungsbild (z. B. Farbe, Zeichnung, Haarlänge), also das Ergebnis aus Genotyp und Umwelt-/Entwicklungsfaktoren.

 

Farbgenetik der Meerschweinchen

 

Beim Meerschweinchen sind für die Vererbung der Fellfarben und Zeichnungen bislang 10 verschiedene Gene bekannt, die in verschiedenen Variationen auftreten. Für Fellfarben und Fellstrukturen gibt es Fachausdrücke, die jeweils ein Buchstabenkürzel haben. Dominante Faktoren werden mit einem Großbuchstaben gekennzeichnet, rezessive mit einem Kleinbuchstaben. 

Diese Faktoren ergeben, zu einer Formel zusammengesetzt, die jeweilige Fellfarbe:

  • A (Agouti)
  • B (Brown)
  • C (Verdünnungsfaktor →Albino)
  • D (Blue)
  • E (Extension)
  • K (Kalifornia)
  • P (Pale)
  • Rn (Roan →Schimmel/Dalmatiner)
  • S (Weißscheckung)
  • WD (→Versilberung, Dapple)


Für die Fellfarben gibt es eine Grundformel: AA BB CC EE PP rnrn SS. Das ist die Farbe Goldagouti.

 

Farbgenetik verstehen – Notation, Bausteine, Grundprinzip

Warum überhaupt Buchstaben?

In der Farbgenetik wird oft mit Buchstabencodes gearbeitet, weil sie eine Art „Kurzschrift“ sind. Statt lange Sätze zu schreiben („trägt Agouti, aber keine Weißscheckung, dazu Verdünnung…“), notiert man die genetischen Bausteine als Kombinationen an mehreren Genorten (Loci).

Schreibkonvention (üblich):

  • Großbuchstabe = meist dominanter Einfluss

  • Kleinbuchstabe = meist rezessiver Einfluss
    Das ist eine Vereinfachung, hilft aber beim Lesen der Formeln.

Die wichtigsten Loci als Orientierung

Diese Genorte werden in vielen Systemen regelmäßig verwendet:

  • A – Agouti / Ticking / Loh-Varianten

  • B – Schwarz- vs. Schokopigment

  • C – Intensität/Verdünnung bis Himalaya

  • D – Dilute („Blue“-Richtung)

  • E – Ausdehnung dunkler Pigmente (schwarz/rot/schildpattartig)

  • K – California-Zeichnung

  • P – Pale/Rubin-/Pink-Eye-Richtungen (starke Aufhellungen, Augen)

  • Rn – Roan/Schimmel/Dalmatiner (mit Risiko bei Verdopplung)

  • S – Weißscheckung

  • Wd/WD – Dapple/Versilberung in schokofarbigen Feldern

Eine Formel als „Momentaufnahme“

Eine Genformel ist keine Magie, sondern eine Momentaufnahme der vermuteten/ bekannten Kombination. Ein häufig genutztes Beispiel ist die Notation für Goldagouti:

AA BB CC EE PP rnrn SS

Damit ist gemeint: Am A-Locus reinerbig Agouti, am B-Locus schwarzes Pigment, am C-Locus volle Ausprägung usw. (Je nach System kann die Schreibweise leicht variieren.)

Merksatz: Die Formel beschreibt Bausteine – was du siehst, ist ihr Zusammenspiel.


 

Farbbauplan – A, B, C, D, E, K, P (verständlich sortiert)

A-Locus: Agouti, Solid-Agouti, Loh, Non-Agouti

Hier geht es um Muster wie Ticking/Tipping und Lohzeichnung.

Häufig genannte Allelreihe: A > ar/at > a (mit Besonderheiten, je nach Kombination)

  • A: ermöglicht (auf dunkler Pigmentbasis) Ticking/Tipping – das typische Agouti-Erscheinungsbild.
    Auf der Rotreihe kann das äußerlich „unsichtbar“ bleiben, obwohl genetisch vorhanden.

  • ar: wird oft als „Solid-Agouti“ beschrieben: feineres Ticking, oft dunkler wirkend, häufig ohne typischen Bauchstreifen.

  • at: Lohfaktor (Tan/Otter/Fox/Lux je nach System). Manche Kombinationen zeigen Mischbilder.

  • a: Non-Agouti: kein Ticking/Tipping/Loh → auf dunkler Reihe wirkt das Tier „einfarbig“ (klassisch: Schwarz statt Goldagouti).

Beispiele (kurz):

  • AA × aa → 100% Aa (Agouti-Phänotyp)

  • Aat × aa → 50% Aa + 50% ata (Agouti + Loh)

  • atat × aa → 100% ata (Loh)


B-Locus: Schwarzpigment oder Schokopigment

B > b

  • BB / Bb: Schwarzpigment (Bb trägt Schoko)

  • bb: Schokopigment

Wichtig: Schoko wird oft missverstanden. Es ist nicht einfach „Verdünnung über C“, sondern ein Pigmentwechsel über den B-Locus.

Beispiel:
BB × bb → 100% Bb (optisch Schwarz, Schoko-Anlage)


C-Locus: Intensität und Verdünnung (bis Himalaya)

Dieser Locus wird häufig als der „Hauptregler“ für Vollfarbe vs. Verdünnung betrachtet.

Typische Reihenfolge: C > cd > cr > ca

  • C: volle Ausprägung

  • cd: eher milde Aufhellung (Rotreihe oft deutlicher)

  • cr: starke Aufhellung/Umfärbung

  • ca: Himalaya-Faktor (starke Aufhellung, Points)

Beispiele (vereinfacht, je nach System):

  • Rot → Buff/heller

  • Goldagouti → Grauagouti/Silberagouti

  • Black-Tan → Richtung Silver-Fox

  • ca/ca → Himalaya-Zeichnung

Hinweis zu „Albino“: In manchen Übersichten wird ein Albino-Faktor diskutiert, gleichzeitig wird häufig betont, dass ein echter Albino-Faktor beim Meerschweinchen nicht sicher belegt ist. Weiße Tiere mit roten Augen werden daher in vielen Erklärmodellen anders eingeordnet (z. B. als starke Aufhellung innerhalb der C-Reihe). Weitere Infos zu Albinismus,


D-Locus: Dilute („Blue“)

D und d

  • DD: kein Blue-Ausdruck

  • Dd: Blue-Anlage

  • dd: Blue-Ausdruck (Slate/Blue-Richtung)

Wie „Blue“ am Ende wirkt, hängt stark davon ab, welche weiteren Faktoren (z. B. B, C, P) im Tier zusammenkommen.


E-Locus: Wie weit dunkles Pigment „durchkommt“

E > ep > e

  • E: dunkle Reihe kann voll durchschlagen

  • ep: Mischbilder beider Reihen möglich (z. B. schildpattartige Kombinationen)

  • ee: Rotreihe dominiert; dunkle Reihe wird weitgehend unterdrückt (Anlagen können aber im Genotyp mitlaufen)


K-Locus: California

Ein häufig verwendetes Schema:

  • KK: sehr stark/überzeichnet

  • Kk: California sichtbar (oft maskenartig)

  • kk: ohne California


P-Locus: Pale, Rubin- und Pink-Eye-Richtung

P > pr > p

  • P: keine Aufhellung über P, dunkle Augen (außer andere Faktoren hellen auf)

  • pr: Rubinaugenrichtung (red eyes), oft auch Aufhellung der dunklen Reihe

  • p: Pink-Eye-Richtung (pink eyes), oft deutliche Aufhellungen (z. B. Lilac/Beige je nach Kombination)

Bei prpr / prp / pp werden in der Praxis häufig „Sonderfarben“ zusammengefasst. Manche Tiere lassen sich optisch schwer eindeutig einordnen – genetisch steckt dennoch immer eine konkrete Kombination dahinter.


 

Rn und S – die „kritischen“ Bereiche, die man sauber trennen muss

Rn-Locus: Roan / Schimmel / Dalmatiner

Rn und rn

  • Rnrn: Roan/Schimmel/Dalmatiner (ein Teil der Haare wird weiß, ein Teil bleibt Grundfarbe)

  • rnrn: kein Roan

Der entscheidende Punkt ist die Verdopplung:

Konsequenz:
Roan × Roan (egal ob „Schimmel“ oder „Dalmatiner“) wird in verantwortungsvollen Zuchten nicht verpaart. Als Partner werden typischerweise Tiere gewählt, die nachweislich kein Rn tragen.

Praktischer Stolperstein:
Roan kann sehr unterschiedlich aussehen. „Schlecht gezeichnet“ heißt nicht automatisch „kein Roan“ – deshalb sind Abstammung und Dokumentation besonders wichtig.


S-Locus: Weißscheckung

Je nach System wird Weißscheckung etwas unterschiedlich erklärt. Ein gängiges Modell ist:

  • SS: keine sichtbare Weißscheckung

  • Ss: oft keine oder geringe Weißzeichen (kann sehr subtil sein)

  • ss: Weißscheckung

In der Praxis wird häufig betont, dass Weißanteile nicht immer zuverlässig „nach Prozenten“ planbar sind und dass Weißscheckung verdeckt mitlaufen kann.

Wichtiger Punkt im Zusammenspiel:
Weißscheckung und Roan-Themen werden in vielen Zuchtansätzen strikt getrennt, weil man möglichst klare, dokumentierte Verhältnisse behalten will (und weil bei Roan ohnehin höchste Vorsicht gilt).


Wd/WD: Dapple / Versilberung (bei Schoko-Feldern)

„Dapple“ wird oft als Versilberung schokofarbener Bereiche beschrieben: Haarbasis schoko, nach außen deutlich heller bis weißlich. Häufig wird erwähnt, dass diese Erscheinung vor allem bei voller C-Ausprägung deutlich wird (z. B. CC).

Ein typisches Schema:

  • WdWd: deutlich

  • Wdwd: Träger, manchmal leichte Silberanteile sichtbar

  • wdwd: kein Dapple-Ausdruck

 

Rassegenetik der Meerschweinchen


Dominante Strukturhaargene

LuLu = Lunkarya/Curly

Lulu  = Lunkarya/Curly

lulu  = Glatthaar

LuLu rxrx = Minipli

LuLu Rxrx = Lunkarya, Minipliträger

 

Rezessive Strukturhaargene

chch = CH Teddy

Chch = Glatthaar, CH Teddyträger

ChCh = Glatthaar

fzfz = US-Teddy

Fzfz = Glatthaar, US Teddy-Träger

FzFz = Glatthaar

rxrx = Rex, Texel, Merino, Alpaka

Rxrx = Glatthaar, Rex-Träger

RxRx = Glatthaar


Gene für die Haarlänge

LL = kurze Behaarung

Ll = kurze Behaarung mit oft unterschiedliche Haarlänge

ll  = Lange Behaarung


Das Satingen

SnSn = kein Satin, normales Haar

Snsn = Satinträger, normales Haar

snsn  = Satin, glänzendes Haar

 

→Satinzucht und Osteodystrophie


Das Kronengen

StSt = Krone

Stst = Krone, spalterbig auf Nichtkrone

stst =  keine Krone


Eine Besonderheit ist der Rosettenbildungsfaktor.

Für die Ausbildung von Rosetten sind zwei Gene zuständig. Das Rauhaargen (bestimmt die Haarwuchsrichtung) und der Modifikationsfaktor(gibt an wo und wie die Rosetten angeordnet sind) Alle Rassen die Rosetten haben, zeigen auf den Füßen die umgekehrte Haareinpflanzung. Stirnkronen werden nicht durch den Rosettenbildungsfaktor hervorgerufen sondern durch das Gen St


Der Rauhaarfaktor Rh ist dominant, der Modifikationsfaktor M ist rezessiv.

rhrh  MM = Glatthaar

rhrh  Mm = Glatthaar

rhrh  mm = Glatthaar

RhRh  mm  = Rosette, Peruaner, Angora, Lunkarya und  Curly

RhRh  Mm = Rosette, Ridgeback, Peruaner, Angora, Lunkarya, Curly oder auch “Glatthaar” mit umgekehrter Haarwuchsrichtung an den Füßen

RhRh  MM = Ridgeback oder auch „Glatthaar“ mit umgekehrter Haarwuchsrichtung an den Füßen


Die Nackthaargene

BdBd = vollständige Behaarung

Bdbd = Behaarung, Baldwinträger

bdbd = keine Haare, Baldwin

SkSk = vollständige Behaarung

Sksk = Behaarung, Skinnyträger

sksk = keine Haare, Skinny


Das Lesen einer Rassegenformel einfach erklärt:

Dann üben wir mal an diesem Beispiel einer Genformel:  chch FzFz LL lulu rhrh MM RxRx SnSn stst BdBd SkSk

chch
FzFz
LL
lulu
rhrhMM
RxRx
SnSn
stst
BdBd
SkSk

CH-Teddy
kein US Teddy
kein Langhaar
kein Lunkarya/Curly
Glatthaar, keine Rosettenbildung
kein Rex
kein Satin
Keine Krone
kein Baldwin
kein Skinny

 

Genformel für die verschiedenen Rassen
(ohne Trägereigenschaften)

 

Kurzhaarrassen

Glatthaar

ChCh FzFz LL lulu rhrh MM RxRx SnSn stst BdBd SkSk

Satin (hier Glatthaar)

ChCh FzFz LL lulu rhrh MM RxRx snsn stst  BdBd SkSk

Crested

ChCh FzFz LL lulu rhrh MM RxRx SnSn StSt BdBd SkSk

Rosette

ChCh FzFz LL lulu RhRh mm RxRx SnSn stst BdBd SkSk

US-Teddy

ChCh fzfz LL lulu rhrh MM RxRx SnSn stst BdBd SkSk

Rex

ChCh FzFz LL lulu rhrh MM rxrx SnSn stst BdBd SkSk


Semi-Langhaarrassen

CH-Teddy

chch FzFz LL lulu rhrh MM RxRx SnSn stst BdBd SkSkCurly

ChCh FzFz LL LuLu RhRh mm RxRx SnSn stst BdBd SkSk


Langhaarrassen

Sheltie

ChCh FzFz ll lulu rhrh MM RxRx SnSn StSt BdBd SkSk

Peruaner

ChCh FzFz ll lulu RhRh mm RxRx SnSn stst BdBd SkSk

Texel

ChCh FzFz ll lulu rhrh MM rxrx SnSn stst BdBd SkSk

Merino

ChCh FzFz ll lulu rhrh MM rxrx SnSn StSt BdBd SkSk

Alpaka

ChCh FzFz ll lulu RhRh mm rxrx SnSn stst BdBd SkSk

Lunkarya

ChCh FzFz ll LuLu RhRh mm rxrx SnSn stst BdBd SkSk

Quelle: www.meerschweinchenclubbayern-mcb.de 
Mit freundlicher Genehmigung

 

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Autorin: Eva-Maria Ganslmeier | letzte Änderung am 23.02.26 | alle Rechte vorbehalten